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Hamburg Freezers Archiv2002–2016 · und Eishockey in Hamburg heute

Hamburg Freezers 2013/14: Hauptrundensieger der DEL

Hamburg Freezers 2013/14: Platz 1 mit 102 Punkten, Halbfinale gegen Ingolstadt, Trainer Laporte und der Kader mit Dupuis, Cabana und Kotschnew im Überblick.

Eishockeytor mit Netz auf frisch präparierter Eisfläche in einer hell beleuchteten Arena

Im Oktober 2013 war Sébastien Caron plötzlich ohne Verein. Die Iserlohn Roosters hatten ihren Torhüter kurz nach Saisonbeginn beurlaubt, über die Gründe vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Noch im selben Monat wechselte der Kanadier nach Hamburg. Bei den Hamburg Freezers 2013/14 teilte er sich das Tor mit Dimitrij Kotschnew. Fünf Monate später stand Caron mit seinem neuen Team im Play-off-Viertelfinale. Der Gegner: Iserlohn.

Ein bisschen erzählt dieser Wechsel die ganze Spielzeit. Die Freezers starteten holprig, standen im Herbst zwischenzeitlich am Tabellenende und beendeten die Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga (DEL) trotzdem auf Platz 1. Es blieb der einzige Hauptrundensieg in 14 DEL-Jahren des Clubs und die beste Saison seiner Geschichte. Im Halbfinale war gegen den späteren Meister ERC Ingolstadt Schluss.

Hamburg Freezers 2013/14: die Kerndaten der Saison

Kennzahl Wert
Hauptrunde Platz 1 von 14, 52 Spiele
Punkte 102 (7 vor Krefeld)
Bilanz 30 Siege, 3 nach Verlängerung, 6 Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschießen, 13 Niederlagen
Tore 162:116
Viertelfinale 4:2 gegen Iserlohn Roosters
Halbfinale 2:4 gegen ERC Ingolstadt
Cheftrainer Benoît Laporte
Sportdirektor Stéphane Richer (DEL-Manager des Jahres)
Arena O2 World Hamburg
Deutscher Meister ERC Ingolstadt
Zuschauer Hauptrunde 221.160 gesamt in 26 Heimspielen, Schnitt 8.506

Die Tabellendaten stammen aus dem Statistik-Archiv der DEL zur Hauptrunde 2013/14, die Zuschauerzahl aus der Saisonbilanz bei Wikipedia (Quelle dort: hockeyarenas.net).

Vom Tabellenende an die Spitze

Wie schlecht der Start war, lässt sich nur grob belegen: Wikipedia spricht von einer Talfahrt bis ans Tabellenende. Die Wende dagegen steht in jeder Tabelle. Zu Hause verloren die Freezers in 26 Hauptrundenspielen nur vier Partien, zwei davon erst nach Verlängerung oder Penaltyschießen. Die deutschsprachige Wikipedia nennt eine Serie von 19 Heimsiegen in Folge, mit der der Club einen Ligarekord eingestellt habe. Eine zweite Quelle dafür habe ich nicht gefunden. Zur Heimbilanz aus der DEL-Tabelle passt die Angabe.

Auswärts lief es durchwachsen: 11 Siege, 15 Niederlagen. Den Ausschlag gab die Defensive. Mit 116 Gegentoren kassierte Hamburg so wenige wie kein anderes Team, die Kölner Haie folgten mit 118.

Nach 52 Spieltagen lagen die Hamburger sieben Punkte vor den Krefeld Pinguinen, elf vor den Thomas Sabo Ice Tigers aus Nürnberg und zwölf vor den Adler Mannheim. Ihre Heimspiele trug die Mannschaft in der O2 World Hamburg aus, im Schnitt kamen 8.506 Zuschauer pro Spiel.

Auf das Schlusslicht der DEL, die Düsseldorfer EG mit 41 Punkten, hatte Hamburg 61 Zähler Vorsprung. Die Plätze 1 bis 6 zogen direkt ins Viertelfinale ein, die Teams auf 7 bis 10 spielten in den Pre-Play-offs im Modus Best-of-Three zwei weitere Startplätze aus. Die Augsburger Panther verpassten diese Runde als Elfter um fünf Punkte.

Neuzugänge und European Trophy

Der Kader für 2013/14 entstand im Sommer 2013. Zwei Stürmer kamen neu dazu:

  • Philippe Dupuis, Center aus Laval in Kanada, wechselte im Juni 2013 von den Wilkes-Barre/Scranton Penguins aus der American Hockey League (AHL) in die DEL nach Deutschland. Er brachte 116 Spiele aus der National Hockey League mit. Laut der damaligen Vereinsmeldung hatten ihm Tom Kühnhackl und Marcel Müller zum Wechsel geraten.
  • Frédérik Cabana kam Ende Juli 2013 von den Ravensburg Towerstars, für die er in der 2. Bundesliga 63 Punkte gesammelt hatte. Sein Vertrag lief bis 2015.

Ab Mitte August 2013 bestritten die Freezers die European Trophy, ein Turnier europäischer Clubs zur Saisonvorbereitung. In der Division Nord trafen sie unter anderem auf Luleå, Kärpät Oulu und die Eisbären Berlin. Mit drei Siegen aus acht Spielen und 28:27 Toren landeten die Hamburger auf Platz 6 von acht Teams, die Finalrunde war damit verpasst. Über die DEL-Saison sagte das Turnier wenig aus, wie die Hauptrunde dann zeigte.

Cabanas Zeit in Hamburg endete früh. Im Januar 2014 erlitt er eine Gehirnerschütterung, von der er sich lange nicht erholte. Im November 2014 lösten Club und Spieler den Vertrag einvernehmlich auf, als Grund nannte die Vereinsmeldung ein postkommotionelles Syndrom.

Der Kader: wer die Saison trug

Der Stamm war schon vor dem Sommer da. Christoph Schubert, Garrett Festerling, Duvie Westcott, Daniel Nielsen, Matt Pettinger und Mathieu Roy waren bereits Freezers. Dazu kamen die beiden deutschen Nationalspieler Jerome Flaake (Jahrgang 1990) und David Wolf (Jahrgang 1989), der 2011 von den Hannover Scorpions gekommen war.

Eishockeyschläger und Puck auf zerkratztem Eis vor der Bande einer Arena
Die Hauptrunde 2013/14 gewannen die Freezers vor allem über die Defensive: 116 Gegentore in 52 Spielen.

Im Tor

Dimitrij Kotschnew kam in der Hauptrunde auf 17 Einsätze mit einem Gegentorschnitt von 2,10, einer Fangquote von 92,8 Prozent und vier Shutouts. In den Play-offs stand er fünfmal im Tor (Schnitt 1,41, Quote 94,7). Caron, der früher 95 Spiele in der NHL absolviert hatte, kam über die Saison auf 28 Hauptrundenspiele, die Statistik fasst seine Einsätze für Iserlohn und Hamburg zusammen: Schnitt 1,93 und vier Shutouts.

Die Schlüsselspieler in Zahlen

Spieler Position Hauptrunde Play-offs
Jerome Flaake Flügel 50 Spiele, 44 Punkte (25 Tore) 12 Spiele, 7 Punkte
David Wolf Stürmer 48 Spiele, 40 Punkte (14 Tore) 10 Spiele, 12 Punkte
Garrett Festerling Center 52 Spiele, 37 Punkte (8 Tore) 12 Spiele, 7 Punkte
Philippe Dupuis Center 50 Spiele, 35 Punkte (13 Tore) 10 Spiele, 5 Punkte
Adam Mitchell Flügel 51 Spiele, 28 Punkte 11 Spiele, 3 Punkte
Matt Pettinger Center 47 Spiele, 28 Punkte 12 Spiele, 4 Punkte
Duvie Westcott Verteidiger 46 Spiele, 27 Punkte (7 Tore) 11 Spiele, 3 Punkte

Flaake erzielte 25 Tore, Center Dupuis in seiner ersten DEL-Saison 13. Die Reihe Flaake, Festerling, Wolf sammelte zusammen 121 Hauptrundenpunkte, Wolf kam in den Play-offs noch auf zwölf Scorerpunkte in zehn Spielen.

Westcott, Jahrgang 1977, hatte vor Hamburg 201 Spiele für die Columbus Blue Jackets in der NHL bestritten und erzielte als Verteidiger sieben Tore. Profile zu einzelnen Spielern dieser Saison sammeln wir nach und nach in der Übersicht der Freezers-Spieler.

Play-offs: Iserlohn, dann Ingolstadt

Iserlohn hatte sich als Zehnter der Liga über die Pre-Play-offs gegen den EHC Red Bull München mit 2:1 Siegen ins Viertelfinale gekämpft. Die Serie begann am 16. März 2014 mit einem 4:1 in Hamburg. Nach zwei Niederlagen stand es 1:2, dann gewannen die Freezers dreimal in Folge. Am 28. März machte ein 1:0 in Iserlohn das 4:2 perfekt. Hamburg stand zum ersten Mal seit 2004 im Halbfinale.

Dort wartete der ERC Ingolstadt, Neunter der Hauptrunde. Er hatte in den Pre-Play-offs Titelverteidiger Eisbären Berlin ausgeschaltet, den Schwesterclub der Freezers im Besitz der AEG, und danach Krefeld mit 4:1 Siegen. Die Halbfinalserie (Best-of-Seven) im Überblick:

  1. 2. April, Hamburg: 1:3
  2. 4. April, Ingolstadt: 0:5
  3. 6. April, Hamburg: 2:1
  4. 8. April, Ingolstadt: 2:5
  5. 11. April, Hamburg: 2:0
  6. 13. April, Ingolstadt: 3:5

Über Spiel 4 wurde später mehr geredet als über das Ergebnis. David Wolf streckte Ingolstadts Verteidiger Benedikt Schopper mit einem Faustschlag nieder, Schopper verlor dabei mehrere Zähne. Wolf erhielt eine Matchstrafe, später nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Eishockeyspieler auf.

Ingolstadt gewann danach auch das Finale gegen die Kölner Haie mit 4:3 Siegen und wurde zum ersten Mal Deutscher Meister im Eishockey. Die Kölner hatten im Viertelfinale die Adler Mannheim mit 4:1 aus dem Rennen geworfen und im Halbfinale die Grizzly Adams Wolfsburg ebenfalls mit 4:1. Wolfsburg hatte als Sechster im Viertelfinale die Ice Tigers aus Nürnberg mit 4:2 ausgeschaltet.

Laporte an der Bande, Richer im Büro

Benoît Laporte trainierte die Freezers seit Dezember 2010, als er das Amt von Stéphane Richer übernahm. Richer blieb Sportdirektor und baute den Kader. Für die Saison 2013/14 wählte die DEL ihn zum Manager des Jahres.

Für Laporte war Platz 1 nichts Neues. Mit den Nürnberg Ice Tigers hatte er in der DEL 2007/08 ebenfalls Platz 1 belegt und war danach im Viertelfinale ausgeschieden. Und Ingolstadt, das ihn 2014 stoppte, kannte er gut: Dort war er im November 2008 nach wenigen Monaten als Cheftrainer entlassen worden.

Der Erfolg hielt nicht lange. Nach einem Fehlstart in die Saison 2014/15 und ohne Sieg in der Champions Hockey League musste Laporte am 25. September 2014 gehen, sein Co-Trainer Serge Aubin übernahm.

Was von 2013/14 bleibt

Ich halte 2013/14 für den sportlichen Höhepunkt der Freezers. Es war der einzige Hauptrundensieg in 14 Jahren, und nur 2004 kam der Club ebenfalls bis ins Halbfinale. Dass am Ende ein Neunter Meister wurde, zeigt allerdings, wie wenig Platz 1 im Frühjahr wert ist.

Wolf konnte nach der Saison den Sprung in die NHL wagen und unterschrieb am 12. Mai 2014 bei den Calgary Flames. Zwei Jahre später, im Mai 2016, verzichtete Eigentümer AEG auf die Lizenz, und die Freezers verschwanden aus der Liga. Wie es dazu kam, steht in der Chronik zum Aus 2016, alle Spielzeiten im Vergleich findest du in der Übersicht der Saisons. Die Vereinsmeldungen von damals, etwa zu den Transfers von Dupuis und Cabana, sind heute nur noch im Internet Archive abrufbar.

Infografik: Saisonverlauf der Hamburg Freezers 2013/14 von der European Trophy bis zum Halbfinale
Der Weg der Freezers durch die Saison 2013/14, von der European Trophy bis zum Halbfinal-Aus gegen Ingolstadt.

Spieler dieser Saison im Archiv

Häufige Fragen

Wer war 2013/14 Trainer der Hamburg Freezers?

Cheftrainer war Benoît Laporte, der das Amt im Dezember 2010 übernommen hatte. Sportdirektor Stéphane Richer wurde für diese Saison zum DEL-Manager des Jahres gewählt. Laporte musste am 25. September 2014 nach einem Fehlstart gehen.

Gegen wen schieden die Hamburg Freezers 2014 aus?

Im Halbfinale gegen den ERC Ingolstadt, mit 2:4 Siegen. Das letzte Spiel ging am 13. April 2014 in Ingolstadt 3:5 verloren. Ingolstadt wurde danach zum ersten Mal Deutscher Meister.

Wie viele Zuschauer kamen 2013/14 zu den Freezers?

In 26 Heimspielen der Hauptrunde kamen 221.160 Zuschauer in die O2 World Hamburg, im Schnitt 8.506 pro Spiel.

Waren die Hamburg Freezers noch ein weiteres Mal Hauptrundensieger?

Nein. Platz 1 nach der Saison 2013/14 blieb die einzige Hauptrunden-Spitzenplatzierung in den 14 DEL-Spielzeiten von 2002/03 bis 2015/16.

Quellen

  1. PENNY DEL Statistik-Archiv: Hauptrunde 2013/14
  2. PENNY DEL Statistik-Archiv: Play-offs 2013/14
  3. Wikipedia: DEL 2013/14
  4. Wikipedia: Hamburg Freezers
  5. Wikipedia: European Trophy 2013
  6. Wikipedia: Sébastien Caron
  7. Wikipedia: Benoît Laporte
  8. ZWP online: Halbfinal-Spiel – Eishockey-Star verliert sechs Zähne (10.04.2014)
  9. Internet Archive: hamburg-freezers.de, Vereinsmeldungen und Spielerprofile 2013/14

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