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Hamburg Freezers Archiv2002–2016 · und Eishockey in Hamburg heute

Hamburg Freezers aufgelöst: Wie es 2016 zum Aus kam

Warum wurden die Hamburg Freezers aufgelöst? Die Chronik vom 18. bis 24. Mai 2016: AEG, Käufersuche seit 2011, Crowdfunding und das Ende nach 14 Jahren DEL.

Leere, dunkle Eishalle mit blau beleuchteter Eisfläche und verlassenen Zuschauerrängen

Dienstag, 24. Mai 2016, kurz nach 23 Uhr. Vor der Geschäftsstelle in Hamburg stehen nach Angaben der taz noch rund 200 Fans, als Geschäftsführer Uwe Frommhold vor die Tür tritt. Um Mitternacht endet die Frist für den Lizenzantrag in der Deutschen Eishockey Liga. Der Antrag wird nicht gestellt. Damit sind die Hamburg Freezers aufgelöst. Es war das Ende nach 14 Spielzeiten in der DEL und nach sechs Tagen, in denen Spieler, Fans und Hamburger Firmen um den Klub gekämpft hatten.

Wie es so weit kam, lässt sich gut belegen: mit den beiden Pressemitteilungen aus jener Woche und den Berichten von Sport1, taz und Lokalmedien. In einigen Details widersprechen sich die Quellen. Wo das so ist, steht es dabei.

Vierzehn Jahre an der Elbe

Die Geschichte beginnt in München. Am 24. Juni 2002 stimmte die DEL dem Umzug der München Barons nach Hamburg zu. Eigentümer der Lizenz war die Anschutz Entertainment Group (AEG) aus Los Angeles. Gespielt wurde in der Color Line Arena, die im November 2002 eröffnete und später O2 World, Barclaycard Arena und Barclays Arena hieß.

Sportlich ragen zwei Jahre heraus. 2004 erreichte die Mannschaft das Halbfinale, 2013/14 schloss sie die Hauptrunde als Erster ab und stand wieder im Halbfinale, diesmal mit 2:4 Siegen gegen Ingolstadt verloren. Meister wurde der Klub nie. Mehr zu den einzelnen Jahren findest du in der Übersicht aller Saisons.

Kennzahl Wert Quelle
DEL-Spielzeiten in Hamburg 14 (2002/03 bis 2015/16) Sport1, DEL
Halbfinals 2004 und 2014 Sport1
Zuschauerschnitt 2015/16 9.022 pro Heimspiel Sport1, Wikipedia
Platz in der letzten Saison 11., Pre-Play-offs verpasst Wikipedia
Verlust pro Saison rund 2,5 Millionen Euro taz

Die letzte Saison 2015/16 endete auf Platz 11, die Pre-Play-offs waren verpasst. Sportlich war das eine schwache Spielzeit, finanziell lief es wie in den vergangenen Jahren mit Verlust.

Geplant wurde trotzdem weiter. Am 27. April 2016 kamen Torhüter Drew MacIntyre und Verteidiger Matt Pelech, am 28. April wurde Mario Simioni als neuer Co-Trainer vorgestellt. Drei Wochen später war alles vorbei.

Hamburg Freezers aufgelöst: der Grund lag in Berlin

Am Mittwoch, 18. Mai 2016, kündigte AEG an, für die Saison 2016/17 voraussichtlich keine Lizenz zu beantragen. AEG-Europachef Tom Miserendino begründete das mit der Käufersuche: Seit 2011 habe man vergeblich einen Partner gesucht, der den Klub übernimmt. Der Eigentümer besaß mit den Eisbären Berlin ein zweites Team in derselben Liga und wollte nur noch eines betreiben. Laut Sport1 sagte Miserendino auch, mit den Freezers habe man nie wirklich Geld verdient.

Die Wahl fiel auf Berlin. Die Eisbären hatten seit 2002 siebenmal die Meisterschaft gewonnen. Dazu kam das Geld: Laut taz setzte AEG pro Saison rund 2,5 Millionen Euro zu, über alle 14 Jahre trug der Konzern die Verluste allein. Die Arena dagegen sei profitabel, sagte Frommhold, und AEG blieb ihr Betreiber.

Zur Einordnung: Bis zum Fristende hätte ein Käufer das Aus noch abwenden können. Frommhold selbst schätzte die Chance auf Rettung laut Sport1 auf ein Prozent. Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, sprach von einer Katastrophe für die Region und einem herben Schlag für das deutsche Eishockey. Freezers-Kapitän Christoph Schubert reagierte bereits am Mittwochabend auf Twitter und bat die Sportstadt Hamburg um Hilfe.

Sechs Tage im Mai: die Chronik

Zerkratzte Eisfläche nach dem letzten Spiel vor geschlossener Spielerbank in gedämpftem blauen Licht
Nach dem 24. Mai 2016 gab es in Hamburg kein Profi-Eishockey mehr.

Dann kam die Rettungsaktion. Freezers-Kapitän Christoph Schubert startete sie mit zwei Freunden, an seiner Seite stand Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste. Die Zeit war knapp: Zwischen der Ankündigung am Mittwoch und dem Fristende lagen sechs Tage. Unter #freezersretten sammelten Fans auf der Plattform fairplaid Geld, dazu kamen Zusagen von Hamburger Firmen.

  • 18. Mai: AEG kündigt an, keine Lizenz zu beantragen. Frist für einen Käufer: 24. Mai.
  • 19. bis 24. Mai: Crowdfunding, Gespräche mit Sponsoren, öffentliche Unterstützung unter anderem von Thomas Müller und Wladimir Klitschko.
  • 24. Mai, gegen 23.14 Uhr (taz) bzw. kurz vor 23.30 Uhr (Sport1): Frommhold verkündet das Ende.
  • 24. Mai, 24 Uhr: Die Lizenzfrist läuft ab, ohne Antrag.

Schubert twitterte danach, er und die Mannschaft seien „unfassbar sprachlos und traurig“. Moritz Fürste dankte ihm für fünf sehr intensive Tage. Beide hatten öffentlich für den Klub geworben. Nach Angaben von fairplaid war auf der Plattform zuvor nie so viel Geld zusammengekommen. Für sechs Tage war die finanzielle Unterstützung aus der Stadt groß.

Wie viel Geld zusammenkam, berichten die Quellen unterschiedlich. Welche Zahl den letzten Stand trifft, lässt sich nicht klären, deshalb stehen sie hier nebeneinander:

Quelle Crowdfunding Gesamt inkl. Wirtschaft
taz 532.952 Euro von 3.319 Spendern keine Angabe
Sport1 knapp 500.000 Euro nah an einer Million
Wikipedia über 560.000 Euro 1,2 Millionen Euro
Eimsbütteler Nachrichten keine Einzelzahl rund 1,2 Millionen Euro

Auch beim Datum gibt es zwei Varianten. Frommhold trat erst spätabends vor die Presse, die meisten Zeitungen berichteten erst am Folgetag, und manche Texte nennen deshalb den 25. Mai. Maßgeblich ist der 24. Mai 2016: An diesem Tag lief die Frist ab.

Warum das Geld nicht gereicht hat

In der Mitteilung der DEL zum Lizenzverzicht steht die Begründung von AEG. Es habe sich kein strategischer Partner gefunden, der die Freezers übernimmt und AEG von zwei Teams in einer Liga befreit.

Crowdfunding und Unterstützung aus der Wirtschaft seien beeindruckend gewesen, trotzdem wäre das Team mit einer erheblichen Unterdeckung des Budgets in die Saison gegangen. Diese Lücke hätte AEG allein tragen müssen, wie bereits in den vergangenen 14 Jahren.

In derselben Mitteilung dankte Geschäftsführer Uwe Frommhold den Fans und Partnern, dazu Fürste und Schubert für ihren Einsatz.

Meine Einschätzung: Gescheitert ist die Rettung an der Rechnung. Rund 1,2 Millionen Euro aus Spenden und Zusagen decken knapp die Hälfte eines Jahresdefizits von etwa 2,5 Millionen Euro, und das nur für eine Saison. AEG wollte den Klub abgeben und suchte dafür einen Käufer. Fürste schrieb nach dem Aus selbst, es habe nie eine wirkliche Chance gegeben. Gegen die Fans lief auch die Uhr. In sechs Tagen findet man weder einen Investor noch ein tragfähiges Budget für eine DEL-Saison.

Was nach dem 24. Mai geschah

Der Rest ist schnell erzählt. Insolvent war der Klub nicht. Freezers-Sprecher Sebastian Stolz sprach gegenüber der taz von der Einstellung des Spielbetriebs. Betroffen waren rund 20 Profis und etwa 20 Mitarbeiter der Geschäftsstelle.

  • Spenden: Wer über das Crowdfunding gezahlt hatte, konnte sein Geld zurückbekommen oder es für die Nachwuchsarbeit freigeben. Eine Kooperation im Nachwuchs mit dem HSV galt laut taz als denkbar, beschlossen war sie nicht.
  • Förderverein: Am 23. Juni 2016 gab der Förderverein bekannt, dass die Mitglieder die Auflösung des Hamburg Freezers e.V. beschlossen haben. Präsident Andreas Mattner hatte den Verein seit 2005 geführt. Ohne Profiteam und Geschäftsstelle fehlte ihm die Grundlage.
  • DEL-Platz: Am 1. Juli 2016 erhielten die Fischtown Pinguins Bremerhaven die Lizenz für den frei gewordenen 14. Platz in der DEL.
  • AEG: betreibt weiter die Eisbären Berlin und die Arena im Volkspark.

Die ganze Vereinsgeschichte von der Gründung bis zum Ende erzählt die Seite zur Geschichte der Hamburg Freezers.

Infografik: Chronik der Auflösung der Hamburg Freezers von April bis Juli 2016 mit den wichtigsten Daten
Die wichtigsten Daten der Auflösung im Überblick.

Was heißt das heute?

Profi-Eishockey gibt es in Hamburg seit 2016 nicht mehr. Eine Initiative für ein Comeback, einen Investor oder eine Lizenzbewerbung gibt es nicht. Ein neues DEL-Team ist realistisch betrachtet nicht in Sicht, denn es bräuchte ein Budget in Millionenhöhe und einen Platz in der Liga. Die Arena wäre da.

Eishockey gespielt wird trotzdem: Die Crocodiles Hamburg und das Team des HSV treten in der Regionalliga Nordost an, der vierten Spielklasse. Wo du heute Spiele sehen kannst, steht in der Übersicht zu Eishockey in Hamburg.

Das Ende der Freezers fiel in ein schlechtes Jahr für die Sportstadt Hamburg. Im November 2015 war die Olympia-Bewerbung im Referendum gescheitert, im Januar 2016 hatten die HSV-Handballer Insolvenz angemeldet. Mit den Freezers verlor die Stadt binnen eines halben Jahres ihren zweiten Profiklub aus einer Hallensportart.

Häufige Fragen

Wann wurden die Hamburg Freezers aufgelöst?

Am 24. Mai 2016. An diesem Tag lief um Mitternacht die Frist für den DEL-Lizenzantrag ab, AEG stellte keinen Antrag. Weil das Ende erst spätabends verkündet wurde, nennen manche Berichte den 25. Mai.

Wem gehörten die Hamburg Freezers?

Der Anschutz Entertainment Group (AEG) aus Los Angeles. AEG besaß zugleich die Eisbären Berlin und betreibt bis heute die Hamburger Arena.

Wer hat den DEL-Platz der Hamburg Freezers übernommen?

Die Fischtown Pinguins Bremerhaven. Sie erhielten am 1. Juli 2016 die Lizenz für den frei gewordenen 14. Platz in der DEL.

Gibt es die Hamburg Freezers noch?

Nein. Der Spielbetrieb wurde 2016 eingestellt, im Juni 2016 beschlossen die Mitglieder auch die Auflösung des Hamburg Freezers e.V. Eine Initiative für ein Comeback gibt es nicht.

Quellen

  1. PENNY DEL: Hamburg Freezers beantragen keine DEL-Lizenz
  2. Sport1: Hamburg Freezers ziehen sich aus der DEL zurück
  3. Sport1: Keine DEL-Lizenz – Rettung der Hamburg Freezers gescheitert
  4. taz: Aus für Hamburg Freezers
  5. Eimsbütteler Nachrichten: Hamburg Freezers sind Geschichte
  6. WELT: Mitglieder beschließen Auflösung des Hamburg Freezers e.V.
  7. Wikipedia: Hamburg Freezers
  8. Wikipedia (en): Fischtown Pinguins

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