Hamburg Freezers 2010/11: die Saison des großen Umbruchs
Hamburg Freezers 2010/11: Platz 11 ohne Play-offs, Trainer Laporte ab Dezember, Abschied von Kapitän Barta und elf Abgänge. Der Umbruch Schritt für Schritt.
Drei Punkte. So groß war zum Schluss der Abstand zwischen den Hamburg Freezers 2010/11 und Rang 10, dem letzten, der noch in die Pre-Play-offs führte. Die Nürnberg Ice Tigers kamen auf 72 Punkte, Hamburg auf 69. Damit war die Saison Mitte März 2011 vorbei. Danach baute der Club seine Mannschaft fast komplett neu auf.
Innerhalb von zwei Wochen verlor die Mannschaft ihren Kapitän Alexander Barta und elf weitere Spieler. Gleichzeitig unterschrieben die ersten Neuen, darunter Serge Aubin. Diese Seite erzählt die Spielzeit in der Reihenfolge, in der sie passiert ist: vom Neustart im Sommer 2010 über den Trainerwechsel bis zum Neuaufbau im Frühjahr 2011.
Hamburg Freezers 2010/11 in Zahlen
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Tabelle | Platz 11 von 14, 52 Spiele |
| Punkte | 69 (Platz 10: 72) |
| Siege | 15 nach 60 Minuten, 4 nach Verlängerung, 4 im Penaltyschießen |
| Niederlagen | 21 nach 60 Minuten, 3 nach Verlängerung, 5 im Penaltyschießen |
| Tore | 135:161 |
| Zuschauerschnitt | 7.037 pro Heimspiel |
| Trainer | Stéphane Richer, ab Dezember 2010 Benoît Laporte |
Zur Einordnung: Das Statistik-Archiv der DEL zur Hauptrunde 2010/11 führt dieselben Werte, 69 Punkte bei 135:161 Toren. Dort steht Hamburg allerdings auf Rang 12, hinter Iserlohn mit 68 Punkten. Wikipedia und die Saisonbilanz nennen Rang 11, und nach Punkten ist das auch die richtige Reihenfolge. Dabei bleiben wir.
Mit 135 eigenen Treffern stellte Hamburg den zweitschwächsten Angriff der Liga. Nur die Adler Mannheim trafen seltener, 131-mal, und spielten trotzdem Play-offs, weil sie hinten nur 137 Gegentore zuließen.
Schritt 1: Neustart nach dem Tiefpunkt (Frühjahr 2010)
Die Saison davor war die schwächste des Clubs gewesen. 2009/10 landete Hamburg auf Platz 14, Trainer Paul Gardner musste danach gehen. Im Frühjahr 2010 übernahm Stéphane Richer, als Spieler mehrfacher deutscher Meister mit Mannheim, gleich zwei Jobs: Er wurde Sportdirektor und stand zugleich als Trainer an der Bande. Später, unter Laporte, arbeitete er neben dem Büro-Job auch als Co-Trainer.
Richer baute den Kader für 2010/11 schnell um. Zwei Verpflichtungen aus dem Frühjahr 2010 sind in den Pressemitteilungen des Clubs dokumentiert:
- Joey Tenute (27), Stürmer, kam am 11. April 2010 von den Frankfurt Lions. Dort erzielte er 2009/10 15 Treffer und 31 Vorlagen in 57 Partien.
- Rainer Köttstorfer (28), Verteidiger, wechselte am 17. Mai 2010 vom amtierenden Meister Hannover Scorpions an die Elbe.
Kapitän blieb Alexander Barta, der das Amt seit dem 6. Dezember 2006 innehatte. Der erste Spieltag der Deutschen Eishockey Liga (DEL) war der 3. September 2010.
Schritt 2: Trainerwechsel im Dezember 2010
Die Doppelrolle hielt nicht lange. Im Dezember 2010 gab Richer das Traineramt ab und blieb Sportdirektor. Sein Nachfolger an der Bande wurde Benoît Laporte, ein Eishockeytrainer aus Kanada mit französischem Pass, geboren 1960. Er war frei, nachdem ihn der HC Ambrì-Piotta aus der Schweizer NLA im Oktober 2010 entlassen hatte.
Im selben Monat kam ein Spieler, der 2016 die Rettungsaktion für den Club mit anführte. Christoph Schubert, in München geboren und mit 315 Partien in der NHL für die Ottawa Senators und die Atlanta Thrashers, unterschrieb am 8. Dezember 2010 bis Sommer 2012. Zuvor hatte er drei Monate bei Frölunda in Schweden gespielt, nun kehrte er nach Deutschland zurück.
Laporte blieb bis September 2014. Unter ihm wurden die Freezers 2013/14 Hauptrundensieger, nachzulesen in unserem Rückblick auf die Saison 2013/14.
Schritt 3: Platz 11 und keine Play-offs
Der Modus 2010/11 war einfach. Die ersten sechs Teams der regulären Saison zogen direkt ins Viertelfinale ein, die Ränge 7 bis 10 spielten ab Mitte März 2011 in den Pre-Play-offs um die letzten beiden Tickets. Wer Elfter wurde, hatte Sommerpause.
Die Abstände nach 52 Spieltagen:
| Platz | Team | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Grizzly Adams Wolfsburg | 96 |
| 2 | DEG Metro Stars | 93 |
| 3 | Eisbären Berlin | 90 |
| 4 | Krefeld Pinguine | 86 |
| 6 | ERC Ingolstadt | 79 |
| 8 | EHC München | 76 |
| 9 | Kölner Haie | 73 |
| 10 | Thomas Sabo Ice Tigers | 72 |
| 11 | Hamburg Freezers | 69 |
| 12 | Iserlohn Roosters | 68 |
| 13 | Straubing Tigers | 67 |
| 14 | Augsburger Panther | 63 |
Laut dem Wikipedia-Artikel zum Club ging das letzte Hauptrundenspiel 1:4 bei den Eisbären Berlin verloren. Den Rückstand auf die Ice Tigers konnte Hamburg damit nicht mehr aufholen.
Zur direkten Qualifikation fehlten zehn Punkte. Das war wichtig, weil genau daran eine Klausel in Bartas Vertrag hing. Deutscher Meister wurden die Eisbären Berlin, nachdem sie im Finale den Hauptrunden-Ersten Wolfsburg geschlagen hatten. Für die Berliner war es der fünfte Titel. Sie gehörten wie die Freezers der Anschutz Entertainment Group (AEG), die 2016 nur noch eines der beiden Teams behalten wollte.
Schritt 4: Der Abschied von Kapitän Barta (15. März 2011)
Barta wurde am 2. Februar 1983 in Berlin geboren und kam aus dem Nachwuchs der Eisbären Berlin, bevor er 2005 an die Elbe wechselte. Der Center blieb sechs Jahre und war über vier davon Kapitän.
Der Club trennte sich am 15.03.2011 von ihm. Grundlage war eine Vertragsklausel, die griff, wenn Hamburg die direkte Play-off-Qualifikation verpasste. Als Elfter war dieser Fall eingetreten, der Kontrakt wurde vorzeitig aufgelöst.
Barta und Schubert in der DEL 2010/11
| Eishockeyspieler | Spiele | Tore | Assists | Pkt | Strafminuten |
|---|---|---|---|---|---|
| Alexander Barta (Center) | 43 | 8 | 16 | 24 | 24 |
| Christoph Schubert (Verteidiger) | 26 | 3 | 14 | 17 | 20 |
Schubert erzielte seine 17 Punkte in nur 26 Partien, weil er erst im Dezember dazukam. Barta blieb mit 24 Punkten unter seinen früheren Werten, 2006/07 erzielte er noch 45.
Seine Karriere setzte Barta im Juni 2011 bei den Malmö Redhawks in der zweiten schwedischen Liga fort. Später spielte er für den EHC Red Bull München, den ERC Ingolstadt und von 2016 bis 2023 für die Düsseldorfer EG.

Schritt 5: Elf Abgänge an einem Tag (20. März 2011)
Fünf Tage nach Barta folgte der eigentliche Schnitt. Der Club gab am 20.03.2011 bekannt, dass elf weitere Spieler gehen mussten:
- Taylor
- Bartels
- JP Côté
- Cohen
- Trygg
- Dück
- Sean Curry
- Dotzler
- Ouellet
- Bassen
- Tenute
Tenute war damit nach nur einem Winter wieder weg. Zwei Spieler durften bleiben: Garrett Festerling und Patrick Traverse erhielten neue Verträge bis 2012. Traverse war erst 2010 von der Düsseldorfer EG gekommen, Festerling im selben Sommer aus Hannover, im Tausch gegen Paul Manning. Festerling blieb bis zum Aus 2016 in Hamburg.
Die Vereinsmeldungen von damals findest du heute nur noch im Internet Archive. Die alte Clubseite gibt es nicht mehr.
Schritt 6: Der Neuaufbau beginnt
Der erste Neuzugang stand schon vor der großen Liste fest. Rob Collins, 33 Jahre alt, unterschrieb bereits am 18. März 2011. Er kam von den DEG Metro Stars, hatte in 291 Einsätzen in der DEL 273 Scorerpunkte erzielt und band sich bis 2013.
Zehn Tage später, am 28.03.2011, folgte der prominenteste Name. Serge Aubin, Kapitän der kanadischen Nationalmannschaft, kam von Fribourg-Gottéron aus der Schweiz. Den größten Teil seiner Karriere hatte er in Nordamerika verbracht, mit 396 Partien in der National Hockey League (NHL). Nach dem Karriereende 2013 wurde er in Hamburg erst Co-Trainer und ab dem 25.09.2014 Cheftrainer. Mehr dazu steht im Profil zu Serge Aubin als Spieler und Trainer der Freezers.
Weitere Zugänge im Frühjahr und Sommer 2011:
- 14. April 2011: die dänischen Nationalspieler Daniel Nielsen (Verteidiger) und Jesper Jensen (Stürmer)
- 16. Juni 2011: Torhüter John Curry von Wilkes-Barre/Scranton aus der American Hockey League (AHL)
Insgesamt besetzte der Club 13 Positionen neu. 2011/12 stand Hamburg dann auf Platz 4 und erreichte das Viertelfinale. Der Zuschauerschnitt stieg von 7.037 auf 9.221.

Was vom Umbruch bleibt
Meine Einschätzung: Ohne 2010/11 gäbe es die erfolgreichen Spielzeiten danach in dieser Form nicht. Der Umbruch 2011 räumte den Kader frei, und mit Laporte, Schubert, Festerling und Aubin standen die Leute schon fest, die den Club später prägten. Dass er so radikal ausfiel, lag auch an der Klausel in Bartas Vertrag: Sie machte die direkte Qualifikation zur harten Grenze.
Kurz zusammengefasst:
- Platz 11 mit 69 Punkten, drei Punkte hinter den Pre-Play-offs
- Trainer Stéphane Richer, ab Dezember 2010 Benoît Laporte
- Abschied von Kapitän Barta am 15.03.2011
- elf Abgänge am 20.03.2011, neue Verträge nur für Festerling und Traverse
- Neuzugänge Collins, Aubin, Nielsen, Jensen und Curry
Alle Spielzeiten der Freezers im Vergleich findest du in der Übersicht der Saisons. Warum Hamburg ab Mai 2016 kein Eishockey in der DEL mehr hatte, zeigt die Chronik zum Aus 2016.
Spieler dieser Saison im Archiv
Häufige Fragen
Warum mussten die Freezers 2011 ihren Kapitän abgeben?
Alexander Bartas Vertrag enthielt eine Klausel für den Fall, dass Hamburg die direkte Play-off-Qualifikation (Platz 1 bis 6) verpasst. Mit Platz 11 trat dieser Fall ein, am 15.03.2011 wurde der Vertrag aufgelöst. Barta wechselte im Juni 2011 zu den Malmö Redhawks.
Wer trainierte die Hamburg Freezers in der Saison 2010/11?
Zu Saisonbeginn stand Sportdirektor Stéphane Richer selbst an der Bande. Im Dezember 2010 übernahm Benoît Laporte, der bis September 2014 blieb.
Welche Spieler kamen 2011 nach dem Umbruch nach Hamburg?
Die ersten Neuzugänge waren Rob Collins (18.03.2011) und Serge Aubin (28.03.2011). Im April folgten Daniel Nielsen und Jesper Jensen, im Juni Torhüter John Curry.
Wie viele Punkte fehlten 2010/11 zu den Pre-Play-offs?
Drei. Hamburg holte 69 Punkte, die Thomas Sabo Ice Tigers auf Rang 10 kamen auf 72.
Quellen
- DEL Statistik-Archiv: Hauptrunde 2010/11
- Wikipedia: DEL 2010/11
- Wikipedia: Hamburg Freezers
- Wikipedia: Alexander Barta
- Wikipedia: Christoph Schubert
- Wikipedia: Benoît Laporte
- CHL: Introducing the Hamburg Freezers
- Presseportal: Freezers verpflichten Köttstorfer (17.05.2010)
- Presseportal: Freezers nehmen Joey Tenute unter Vertrag (11.04.2010)
- Internet Archive: Vereinsmeldungen hamburg-freezers.de vom 15.03., 18.03., 20.03. und 28.03.2011
Zuletzt geprüft am
