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Hamburg Freezers Archiv2002–2016 · und Eishockey in Hamburg heute

Hamburg Freezers 2015/16: Bilanz der letzten Saison

Hamburg Freezers 2015/16: Platz 11, ein Punkt hinter Mannheim, die Neuzugänge um Marcel Müller, die besten Scorer und das Aus im Mai 2016 im Überblick.

Eishockeypuck auf der blauen Linie einer gedimmten Eisfläche, im Hintergrund leere Ränge

73 zu 72. Mit diesen beiden Zahlen endete im März 2016 die Saison der Hamburg Freezers 2015/16. Die Adler Mannheim beendeten die Hauptrunde mit 73 Punkten auf Platz 10 und spielten weiter. Hamburg hatte einen Zähler weniger und war als Elfter draußen. Ein einziger Sieg mehr, irgendwann zwischen September und März, und die Freezers wären in die Pre-Play-offs gerutscht.

Im Frühjahr 2016 ärgerte man sich in Hamburg über eine verpasste Runde. Dass es die letzte Spielzeit des Clubs in der Deutschen Eishockey Liga gewesen war, stand erst zwei Monate später fest, als der Eigentümer auf die Lizenz verzichtete. Ich gehe die Saison hier der Reihe nach durch: wer kam, wer traf, wie knapp es in der Tabelle war und wie die Geschichte im Mai endete.

Ausgangslage: Ein Vierter baut um

Die Freezers kamen aus einer ordentlichen Spielzeit. 2014/15 standen sie nach der Hauptrunde auf Platz 4 und schieden im Viertelfinale aus. Serge Aubin hatte das Team im September 2014 von Benoît Laporte übernommen. Im Januar 2015 verlängerte der Club mit ihm bis 2017.

Sportdirektor Stéphane Richer war seit 2010 in Hamburg und arbeitete nebenbei als Co-Trainer an der Bande. 2014 wurde er DEL-Manager des Jahres. Im September 2015 bekam er laut Wikipedia einen neuen Vertrag bis 2019. Die sportliche Führung war damit für Jahre geplant, als die Saison im September 2015 begann.

Der Sommer 2015: vier Neue für die Hamburg Freezers 2015/16

Richer holte zwei Stürmer und zwei Verteidiger. Alle vier kannten die DEL bereits. Die Daten stammen aus den damaligen Meldungen des Clubs, die im Internet Archive gesichert sind.

Gemeldet Spieler Position Kam von Vertrag Nr.
28.04.2015 Marcel Müller Stürmer Krefeld Pinguine bis 2018 40
18.05.2015 Jonas Liwing Verteidiger Iserlohn Roosters ein Jahr 46
15.06.2015 Michael Davies Stürmer Düsseldorfer EG ein Jahr 10
17.06.2015 Sean Sullivan Verteidiger Iserlohn Roosters drei Jahre 37

Der wichtigste Name war der erste. Marcel Müller kam als Nationalstürmer mit 22 Toren und 20 Vorlagen aus der Vorsaison. In der Organisation der Toronto Maple Leafs hatte er 2011/12 sogar drei Spiele in der NHL bestritten. Das Hamburger Abendblatt nannte ihn den Königstransfer. Davies kündigte der Club im Juni als Torjäger an. Sullivan, 31 Jahre alt, hatte einen deutschen Pass und belegte deshalb keine Importstelle. Liwing, ein 32 Jahre alter Schwede, sollte die Abwehr stabilisieren.

Wer die Punkte holte

Getragen haben die Offensive dann vor allem Spieler, die schon länger da waren. Die Topscorer-Statistik der DEL für die Hauptrunde 2015/16 führt für Hamburg diese Werte:

Spieler Position Spiele Tore Assists Pkt
Philippe Dupuis Stürmer 52 17 18 35
Jerome Flaake Stürmer 51 14 21 35
Thomas Oppenheimer Stürmer 52 21 13 34
Marcel Müller Stürmer 50 8 18 26
Mathieu Roy Verteidiger 52 3 23 26
Michael Davies Stürmer 52 10 12 22

Thomas Oppenheimer traf 21 Mal und war der Torjäger des Teams. Er spielte seit 2010 für den Club und war nach der Insolvenz der Frankfurt Lions an die Elbe gewechselt. Mathieu Roy kam als Verteidiger auf 23 Vorlagen, das schaffte kein Stürmer im Kader. Garrett Festerling sammelte 23 Punkte, obwohl er nur 30 Partien bestritt. Die beiden neuen Verteidiger blieben blass: Liwing kam auf 11 Punkte, Sullivan auf 10.

Zur Einordnung: Ligabester war Patrick Reimer von den Thomas Sabo Ice Tigers aus Nürnberg mit 64 Punkten, der beste Hamburger stand auf Rang 38. Meine Einschätzung: Dem Team fehlte ein Spieler, der enge Partien allein kippt. Die Punkte verteilten sich auf viele, und der Königstransfer Müller traf in 50 Spielen achtmal. Für Platz 10 hätte das trotzdem fast gereicht.

Ein Punkt zu wenig: die Tabelle im März 2016

Die DEL spielte 2015/16 mit 14 Clubs und 52 Hauptrundenspielen je Team. Platz 1 bis 6 ging direkt ins Viertelfinale. Die Plätze 7 bis 10 spielten ab dem 9. März 2016 in Serien nach dem Modus Best of three die letzten beiden Plätze aus. Rund um Hamburg sah die Abschlusstabelle so aus:

Platz Club Tore erzielt Pkt
7 Kölner Haie 146 77
8 ERC Ingolstadt 155 76
9 Straubing Tigers 147 75
10 Adler Mannheim 138 73
11 Hamburg Freezers 142 72
12 Augsburger Panther 158 69

Die Freezers erzielten also mehr Tore als Mannheim, kassierten aber 166. Das ergab eine Tordifferenz von minus 24. Ganz oben stand der EHC Red Bull München mit 94 Punkten vor den Eisbären Berlin mit 92. Im April wurde München mit einem 4:0 in der Finalserie gegen die Grizzlys Wolfsburg auch Deutscher Meister. Die Kölner Haie, der ERC Ingolstadt und die Straubing Tigers lagen als Siebter bis Neunter nur zwei bis fünf Punkte vor Hamburg. Dritter wurden ausgerechnet die Iserlohn Roosters, deren Kader Liwing und Sullivan im Sommer verlassen hatten.

Die Fans kamen trotzdem. Laut Wikipedia sahen insgesamt 234.596 Zuschauer die 26 Heimspiele in der Barclaycard Arena, im Schnitt 9.022 pro Abend. In der Vorsaison, mit Platz 4, waren es 8.906 gewesen. Bei der Stimmung in der Halle hatte die Saison also kein Problem.

Dunkles Eishockeytrikot ohne Logo mit der Rückennummer 19 an einem Haken in einer leeren Kabine
Die 19 trug Philippe Dupuis von 2013 bis 2016 in Hamburg.

März 2016: der erste Abschied

Kurz nach dem letzten Spieltag war klar, dass die Freezers den Vertrag von Philippe Dupuis nicht verlängern. Der Kanadier war 2013 aus der American Hockey League (AHL) nach Deutschland gekommen, spielte seitdem an der Elbe und hatte eben noch gemeinsam mit Flaake die meisten Punkte im Team gesammelt. Das Hamburger Abendblatt stellte am 19. März 2016 seinen Satz „Ich habe das Freezers-Logo ins Herz tätowiert“ über ein Gespräch mit ihm. Im Mai unterschrieb er bei den Nürnberg Ice Tigers.

Richer plante derweil die nächste Saison, künftig ohne den Co-Trainerposten. Am 27. April 2016 meldete der Club Torhüter Drew MacIntyre und Verteidiger Matt Pelech als Neuzugänge. Es sollten die letzten Transfers der Clubgeschichte bleiben. Was aus diesen Planungen für die Saison 2016/17 der Freezers wurde, steht auf der Seite zu dieser Spielzeit.

Mai 2016: das Ende nach 14 Spielzeiten

Dann kam der 18. Mai 2016. Die Anschutz Entertainment Group (AEG), der auch die Eisbären Berlin gehören, kündigte an, keine Lizenz für 2016/17 zu beantragen, wenn sich bis zum 24. Mai kein Käufer finde. Spieler, Fans und Unterstützer brachten in wenigen Tagen rund 1,2 Millionen Euro zusammen, über 560.000 Euro davon per Crowdfunding. Kapitän Christoph Schubert setzte sich in diesen Tagen besonders für die Suche nach einem Käufer ein.

Es reichte nicht. Am 24. Mai 2016 verzichtete AEG auf den Lizenzantrag, und aus der verpassten Runde wurde die letzte Saison. Gründe, Fristen und Reaktionen findest du im Kapitel über das Aus der Hamburg Freezers 2016.

Für die Sportstadt Hamburg war es ein bitteres halbes Jahr. Im November 2015 war die Olympia-Bewerbung im Referendum gescheitert, im Januar 2016 hatten die HSV-Handballer Insolvenz angemeldet.

Wohin die Spieler der letzten Saison wechselten

Der Kader zerstreute sich innerhalb weniger Wochen über die Liga. Einige Beispiele aus der Mannschaft von 2015/16, belegt über die Wikipedia-Artikel der Spieler:

  • Jerome Flaake wechselte am 2. Juni 2016 zum EHC Red Bull München und wurde dort 2017 und 2018 Deutscher Meister.
  • Thomas Oppenheimer unterschrieb rund eine Woche nach dem Aus beim ERC Ingolstadt einen Vertrag über fünf Jahre, 2017 ging er zu den Eisbären Berlin.
  • Philippe Dupuis hatte vor seiner Zeit an der Elbe 116 Spiele in der NHL für die Colorado Avalanche und die Toronto Maple Leafs bestritten. In Nürnberg blieb er bis 2020.
  • Serge Aubin coachte ab Sommer 2016 die Vienna Capitals und kehrte 2019 in die DEL zurück, als Trainer der Eisbären Berlin.

Kurz gefasst: was die letzte Saison ausmacht

  • Platzierung: Elfter von 14, 72 Punkte, 142:166 Tore.
  • Abstand: ein Punkt auf Mannheim und die Pre-Play-offs.
  • Personal: Trainer Serge Aubin, Sportdirektor Stéphane Richer, Kapitän Christoph Schubert.
  • Neuzugänge: Marcel Müller (40), Jonas Liwing (46), Michael Davies (10), Sean Sullivan (37).
  • Scorer: Dupuis und Flaake je 35 Punkte, Oppenheimer 34 mit 21 Toren.
  • Publikum: 9.022 Zuschauer im Schnitt, mehr als im Jahr davor.
  • Danach: Lizenzverzicht am 24. Mai 2016, kein Spiel in der Saison 2016/17.

Ich würde die letzte Saison der Freezers deshalb nicht nur vom Ende her lesen. Sportlich war 2015/16 nach Platz 4 ein Rückschritt, wie ihn viele DEL-Clubs schon erlebt und überstanden haben. Die Halle war voller als im Jahr davor. Entschieden hat am Ende der Eigentümer, und zwar zwei Monate nach dem letzten Spiel.

Infografik: Abschlusstabelle der DEL-Hauptrunde 2015/16 von Platz 7 bis 12 und die besten Scorer der Hamburg Freezers
Ein Punkt fehlte zu den Pre-Play-offs: Tabelle und Topscorer der Hamburg Freezers 2015/16.

Spieler dieser Saison im Archiv

Häufige Fragen

Welchen Tabellenplatz erreichten die Freezers in ihrer letzten DEL-Saison?

Platz 11 von 14 mit 72 Punkten und 142:166 Toren. Zehnter und damit letzter Teilnehmer der Pre-Play-offs wurden die Adler Mannheim mit 73 Punkten.

Wer stand 2015/16 bei den Hamburg Freezers an der Bande?

Cheftrainer war Serge Aubin, der das Team seit September 2014 betreute. Sportdirektor Stéphane Richer arbeitete zugleich als Co-Trainer.

Welcher Freezers-Spieler sammelte 2015/16 die meisten Punkte?

Philippe Dupuis und Jerome Flaake kamen in der Hauptrunde auf je 35 Punkte. Die meisten Tore schoss Thomas Oppenheimer mit 21.

Wie viele Zuschauer sahen die Heimspiele 2015/16?

Laut Wikipedia kamen zu den 26 Heimspielen insgesamt 234.596 Besucher, im Schnitt 9.022 pro Spiel und damit mehr als in der Vorsaison.

Quellen

  1. PENNY DEL: Topscorer Hauptrunde 2015/16
  2. Wikipedia (de): DEL 2015/16
  3. Wikipedia (de): Hamburg Freezers
  4. Wikipedia (en): 2015–16 DEL season
  5. Wikipedia (de): Stéphane Richer (Eishockeyspieler, April 1966)
  6. Wikipedia (de): Serge Aubin
  7. Wikipedia (de): Philippe Dupuis
  8. Wikipedia (de): Thomas Oppenheimer
  9. Wikipedia (de): Jerome Flaake
  10. Hamburger Abendblatt: Dupuis: Ich habe das Freezers-Logo ins Herz tätowiert, 19.03.2016

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