Philippe Dupuis: NHL-Center der Hamburg Freezers 2013/14
Philippe Dupuis kam 2013 mit 116 NHL-Spielen nach Hamburg und holte im Jahr des Hauptrundensiegs 35 Punkte. Seine Stationen, Zahlen und was danach kam.
116 NHL-Spiele, 325 Partien in der AHL und eine lange Gehirnerschütterung aus dem Vorjahr: Mit dieser Bilanz unterschrieb Philippe Dupuis am 27. Juni 2013 bei den Hamburg Freezers. Der Stürmer aus der Provinz Quebec war 28 Jahre alt und sollte in einer der beiden ersten Reihen die Mitte spielen. Er blieb drei Spielzeiten in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), trug die Nummer 19 und war in der Saison des Hauptrundensiegs einer der verlässlichsten Scorer im Kader.
Das Porträt folgt seinem Weg in vier Abschnitten: Ausgangslage in Nordamerika, Wechsel an die Elbe, die Saison 2013/14 und die Jahre danach. Alle Zahlen stammen aus der Statistik der DEL, aus Wikipedia und aus archivierten Meldungen dieser Zeit.
Philippe Dupuis im Steckbrief
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Geboren | 24. April 1985 in Laval (Québec, Kanada) |
| Position | Center, Rechtsschütze |
| Größe, Gewicht | 183 cm, 89 kg |
| NHL-Draft | 2003, 4. Runde, Nr. 104 (Columbus Blue Jackets) |
| NHL | 116 Partien, 6 Tore, 12 Assists (Colorado Avalanche, Toronto Maple Leafs) |
| Hamburg | 2013–2016, Rückennummer 19 |
| Danach | Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg, 2016–2020 |
| Ab 2020 | Assistenztrainer im Nachwuchs (Québec) |
Ausgangslage: Pendeln zwischen NHL und AHL
Dupuis lernte das Eishockey in Laval und spielte ab 2001 in der Quebec Major Junior Hockey League (QMJHL). Er lief für die Hull Olympiques auf, die ab 2003 Gatineau Olympiques hießen, danach für die Rouyn-Noranda Huskies mit 84 Punkten und zuletzt für die Moncton Wildcats. Bei den Wildcats gelang ihm 2005/06 sein bestes Jahr als Junior: 108 Punkte in 56 Hauptrundenspielen, dazu 32 Punkte in 19 Play-off-Partien.
Gedraftet hatten ihn die Columbus Blue Jackets schon 2003, als er noch für Hull spielte. Für die Blue Jackets lief er in der NHL nie auf. Er spielte ab 2006 für das Farmteam Syracuse Crunch in der American Hockey League (AHL) und acht Partien für die Dayton Bombers in der ECHL, mit denen er anschließend noch 19 Play-off-Partien bestritt. Columbus gab ihn am 22. Januar 2008 zusammen mit Darcy Campbell an die Colorado Avalanche ab und bekam dafür Mark Rycroft. Die Avalanche aus Colorado schickte ihn zunächst zu ihrem Team in der AHL, den Lake Erie Monsters aus Cleveland. Für die Lake Erie Monsters sammelte er 2008/09 in 67 Partien 46 Punkte, so viele wie kein anderer im Team.
Danach ging es in kleinen Schritten nach oben:
- 13. Dezember 2008: erstes Spiel in der NHL, für Colorado gegen die Chicago Blackhawks (3:4).
- 4. November 2009: erster Punkt in der NHL, eine Vorlage beim 4:1 gegen die Phoenix Coyotes. Den Rest der Saison verbrachte er wieder bei den Lake Erie Monsters.
- 6. November 2010: erstes NHL-Tor, in Unterzahl gegen Dallas, dazu zwei Vorlagen beim 5:0.
- 2010/11: Stammplatz in der vierten Reihe der Avalanche, 17 Punkte in 74 Einsätzen. Es war seine einzige volle Saison in der NHL.
Im Juli 2011 wechselte er zu den Toronto Maple Leafs. Bei den Maple Leafs blieb er in 30 Partien ohne Punkt und landete im Januar 2012 auf der Waiver-Liste. Beim Farmteam Toronto Marlies fing er sich wieder und erreichte mit 14 Punkten in 17 Play-off-Spielen das Finale um den Calder Cup. In Toronto spielte er auch mit Marcel Müller zusammen.
Die Saison 2012/13 verbrachte er bei den Wilkes-Barre/Scranton Penguins, dem Farmteam aus Pittsburgh. Wegen des NHL-Lockouts startete er direkt in der AHL, dann bremste ihn eine Gehirnerschütterung. Er kam auf 11 Punkte in 34 Partien.
| Jahre | Club | Liga |
|---|---|---|
| 2001–2004 | Hull Olympiques / Gatineau Olympiques | QMJHL |
| 2004/05 | Rouyn-Noranda Huskies | QMJHL |
| 2005/06 | Moncton Wildcats | QMJHL |
| 2006–2008 | Syracuse Crunch, kurz Dayton Bombers | AHL, ECHL |
| 2008–2011 | Lake Erie Monsters, Colorado Avalanche | AHL, NHL |
| 2011/12 | Toronto Marlies, Toronto Maple Leafs | AHL, NHL |
| 2012/13 | Wilkes-Barre/Scranton Penguins | AHL |
Der Wechsel im Juni 2013: warum Hamburg
Der Club meldete den Transfer am 27. Juni 2013. Es war sein erster Vertrag in Europa und bei einem deutschen Club. Dupuis kam aus Wilkes-Barre und unterschrieb einen Vertrag für die Saison 2013/14. Sportdirektor Stéphane Richer plante ihn als Center für die ersten beiden Reihen, Cheftrainer Benoît Laporte hatte ihn vorher in Kanada getroffen.
Zwei Namen gaben laut der damaligen Meldung den Ausschlag: Tom Kühnhackl und Marcel Müller. Beide kannten den Kanadier aus gemeinsamen Teams und rieten ihm zum Wechsel. Dupuis selbst nannte die größere Eisfläche in Europa und den Spielstil als Gründe und beschrieb sich als Spielmacher.
Zur Einordnung: Ein Stürmer mit über 100 Einsätzen in der NHL, der mit 28 nach Europa geht, ist für einen DEL-Club ein guter Fang. Offen blieb die Frage nach dem Kopf. Die Freezers betonten damals, Dupuis sei nach der Gehirnerschütterung wieder topfit.
2013/14: Dupuis in der besten Saison des Clubs
Die Spielzeit 2013/14 ist die erfolgreichste der Clubgeschichte. Das Team beendete die Hauptrunde der DEL mit 102 Punkten auf Platz 1, gewann das Viertelfinale gegen Iserlohn mit 4:2 und schied im Halbfinale mit 2:4 gegen den späteren Meister Ingolstadt aus. Die Hintergründe zu dieser und allen anderen Spielzeiten findest du in der Übersicht aller Freezers-Saisons.
Der Neue aus Kanada hatte daran seinen Anteil, und der lässt sich beziffern. Laut der Scorerliste der DEL-Hauptrunde 2013/14 kam er auf diese Werte:
| Wettbewerb | Partien | Tore | Assists | Punkte | Plus/Minus |
|---|---|---|---|---|---|
| DEL-Hauptrunde | 50 | 13 | 22 | 35 | +6 |
| Play-offs | 10 | 2 | 3 | 5 | −2 |
Mit 35 Punkten lag Dupuis teamintern auf Rang sechs. Vor ihm lagen Jerome Flaake (44), David Wolf (40), Thomas Oppenheimer (38) sowie Morten Madsen und Garrett Festerling (je 37). So breit war die Offensive dieser Mannschaft verteilt. Kein Hamburger landete unter den besten zehn der Liga, sechs kamen auf 35 Punkte oder mehr.
Die 22 Vorlagen passen zu dem, was er bei der Unterschrift über sich gesagt hatte. Er sah sich als Spielmacher, der die Scheibe in die Zone trägt und verteilt. Von 52 Hauptrundenpartien verpasste er zwei.
Verlängerung, Verletzung, Abschied: 2014 bis 2016
Nach dem Halbfinale ging es schnell. Die Freezers verlängerten am 15. April 2014 mit fünf Spielern, Dupuis und Julian Jakobsen unterschrieben jeweils bis 2016. Richer sprach von Leistungsträgern, auf und neben dem Eis.
Die Saison 2014/15 begann dann mit einem Rückschlag. Im Auftaktspiel gegen München erlitt er eine schwere Gehirnerschütterung und fiel rund drei Monate aus. So blieb es bei 28 Einsätzen mit 7 Toren und 17 Vorlagen. Im September 2014 übernahm Serge Aubin, bis dahin Co-Trainer unter Laporte, die Mannschaft als Cheftrainer.
2015/16 lief es für ihn deutlich besser als für die Mannschaft. Mit 17 Toren und 18 Vorlagen in 52 Partien war er gemeinsam mit Flaake (je 35 Punkte) der beste Punktesammler im Team. Hamburg wurde Elfter und verpasste die Play-offs.
Im März 2016 teilte Richer ihm mit, dass es kein neues Angebot gibt. Das Hamburger Abendblatt nannte neben schwankenden Leistungen auch die gesundheitliche Vorgeschichte mit mehreren Gehirnerschütterungen als Grund. Der Abschied fiel ihm schwer. Der Zeitung sagte er damals: „Ich habe das Freezers-Logo in mein Herz tätowiert.“ Zwei Monate später war die Frage ohnehin erledigt, für ihn und für den ganzen Kader. Am 24. Mai 2016 verzichtete AEG auf die DEL-Lizenz, wie im Kapitel zum Aus der Hamburg Freezers 2016 beschrieben.
Seine drei Jahre an der Elbe, zusammengezählt:
- 130 Hauptrundenspiele, 37 Tore, 57 Vorlagen, 94 Punkte
- 10 Play-off-Partien, 5 Punkte (alle 2014)
- Rückennummer 19 in allen drei Kaderlisten

Nach der Elbe: Nürnberg Ice Tigers und die Trainerbank
Der nächste Club stand am 11. Mai 2016 fest: Dupuis unterschrieb bei den Thomas Sabo Ice Tigers. Vier Jahre spielte er in Nürnberg, und seine Zahlen schwankten kaum: 36, 38 und 36 Punkte in den ersten drei Hauptrunden. 2017/18 war Dupuis nach der Hauptrunde bester Scorer der Nürnberger, der Club verlängerte seinen Vertrag bis 2020. Im Dezember 2018 stand er mit Nürnberg beim Spengler Cup in Davos auf dem Eis, dem Traditionsturnier, das seit 1923 ausgetragen wird.
In seiner letzten Saison 2019/20 kam Dupuis auf 28 Einsätze und 18 Punkte. Im März 2020 sagte die DEL die Play-offs wegen der Corona-Pandemie ab. Über alle sieben Jahre in der DEL kommt er auf 312 Hauptrundenpartien und 222 Punkte.
Mit 35 hörte er auf. Das Collège Esther-Blondin Phénix in Québec gab am 16. Mai 2020 bekannt, dass er dort Assistenztrainer wird, bei einer U18-Mannschaft der höchsten Nachwuchsstufe. Welche Funktion er heute genau ausübt, ist öffentlich nicht belegt.

Was von seiner Zeit in Hamburg bleibt
Ich halte ihn für einen der besseren Transfers der späten Jahre des Clubs. Der Grund liegt in den Zahlen: 94 Punkte in 130 Partien ergeben gut 0,72 pro Spiel, obwohl eine Kopfverletzung die Saison 2014/15 fast halbiert hat. Für die Schlagzeilen sorgten andere. Dupuis war der Mittelstürmer, den eine breite Offensive braucht, damit Flaake, Wolf und Oppenheimer ihre Tore machen.
Wer weitere Spieler aus diesen Jahren sucht, findet sie in der Spielerübersicht der Freezers, von den Torhütern bis zu den Kapitänen.
Statistik in Hamburg
| Saison | Wettbewerb | Sp. | Tore | Assists | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| 2013/14 | DEL-Hauptrunde | 50 | 13 | 22 | 35 |
| 2013/14 | DEL-Play-offs | 10 | 2 | 3 | 5 |
| 2014/15 | DEL-Hauptrunde | 28 | 7 | 17 | 24 |
| 2015/16 | DEL-Hauptrunde | 52 | 17 | 18 | 35 |
Karriere vor und nach Hamburg
Davor
- Hull Olympiques / Gatineau Olympiques (QMJHL), 2001–2004
- Rouyn-Noranda Huskies (QMJHL), 2004–2005
- Moncton Wildcats (QMJHL), 2005–2006
- Syracuse Crunch (AHL), 2006–2008
- Dayton Bombers (ECHL), 2006–2007
- Lake Erie Monsters (AHL), 2008–2010
- Colorado Avalanche (NHL), 2008–2011
- Toronto Maple Leafs (NHL), 2011–2012
- Toronto Marlies (AHL), 2012
- Wilkes-Barre/Scranton Penguins (AHL), 2012–2013
Danach
- Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg (DEL), 2016–2020
- Collège Esther-Blondin Phénix (U18 AAA, Québec), Assistenztrainer ab 2020
Heute: Nach dem Karriereende 2020 wurde er Assistenztrainer im U18-Nachwuchsprogramm des Collège Esther-Blondin Phénix in Québec.
Häufige Fragen
Wer war Philippe Dupuis bei den Hamburg Freezers?
Ein kanadischer Center, der von 2013 bis 2016 mit der Rückennummer 19 für die Freezers spielte. Er kam mit 116 NHL-Spielen aus Nordamerika und sammelte in Hamburg 94 Punkte in 130 Hauptrundenspielen.
Wie viele Punkte holte Dupuis in der Saison 2013/14?
In der DEL-Hauptrunde 35 Punkte (13 Tore, 22 Vorlagen) in 50 Spielen, in den Play-offs 5 Punkte in 10 Spielen. Hamburg wurde Hauptrundensieger und schied im Halbfinale gegen Ingolstadt aus.
Warum kam Philippe Dupuis nach Deutschland?
Er wollte nach Europa wechseln, und seine früheren Mitspieler Tom Kühnhackl und Marcel Müller rieten ihm zu Hamburg. Als Gründe nannte er auch die größere Eisfläche und den Spielstil.
Was macht Philippe Dupuis heute?
Nach der Saison 2019/20 in Nürnberg beendete er seine Karriere. Im Mai 2020 wurde er Assistenztrainer im U18-Programm des Collège Esther-Blondin Phénix in Québec; eine aktuellere Funktion ist öffentlich nicht belegt.
Quellen
- PENNY DEL: Topscorer Hauptrunde 2013/14
- PENNY DEL: Topscorer Play-offs 2013/14
- PENNY DEL: Topscorer Hauptrunde 2014/15
- PENNY DEL: Topscorer Hauptrunde 2015/16
- Hamburg Freezers (Archiv): Philippe Dupuis stürmt nach Hamburg, 27.06.2013
- Hamburg Freezers (Archiv): Kaderliste 2013/14 bis 2015/16, Nr. 19
- DEL.org (Archiv): Hamburg arbeitet bereits am Kader, 15.04.2014
- Hamburger Abendblatt: Philippe Dupuis ist ein Eishockeyprofi mit großem Herz, 23.01.2015
- Hamburger Abendblatt: Dupuis: Ich habe das Freezers-Logo ins Herz tätowiert, 19.03.2016
- Wikipedia (de): Philippe Dupuis
- Wikipedia (en): Philippe Dupuis
- Hockey Canada: Spengler Cup 2018, Kader Nürnberg Ice Tigers
- Collège Esther-Blondin Phénix: Passion, structure et stabilité, 16.05.2020
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