Michael Davies: Eishockey-Stürmer der Freezers 2015/16
Michael Davies kam 2015 als angekündigter Torjäger von der DEG nach Hamburg und traf zehnmal. Stationen von Wisconsin bis Sheffield, Zahlen, Dopingsperre.
29 Punkte in 23 Spielen. Mit dieser Quote stand Michael Davies zur Hälfte der Hauptrunde 2014/15 an der Spitze der DEL-Scorerliste, damals noch im Trikot der Düsseldorfer EG. Ein halbes Jahr später holten ihn die Hamburg Freezers, und der Club überschrieb die Meldung am 15. Juni 2015 mit dem Wort „Torjäger“. Wer heute nach Michael Davies im Eishockey sucht, stößt auf einen US-Stürmer mit acht Stationen, einer Dopingsperre und genau einer Saison an der Elbe.
Ich erzähle den Fall der Reihe nach, angefangen beim starken Herbst in Düsseldorf. Danach geht es zurück zu College und AHL, dann nach Hamburg und zu den Jahren danach. Die Zahlen stammen aus der Statistik der DEL, aus hockeyDB und Wikipedia sowie aus archivierten Meldungen der Clubs.
Der Fall Davies: vom Topscorer zur Sperre
Am 23. Mai 2014 unterschrieb der US-Amerikaner bei der Düsseldorfer EG. Es war sein erster Vertrag in Europa im Profi-Eishockey, er hatte zu diesem Zeitpunkt 205 Hauptrundenspiele in der American Hockey League (AHL) hinter sich. In Düsseldorf lief es von Beginn an. Nach 23 DEL-Einsätzen hatte Davies 8 Tore erzielt und 21 vorbereitet.
Dann kam der 23. November 2014. Bei einer Kontrolle wurde er positiv auf ein Stimulans getestet, ein Medikament, dessen Einnahme der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) nicht gemeldet war. Seit dem 8. Dezember 2014 war er vorläufig suspendiert. Die DEG schloss ihn zusätzlich vom Training aus, sein Anwalt widersprach der Darstellung des Clubs öffentlich.
Das Urteil fiel am 10. März 2015:
- Sperre von drei Monaten, verhängt vom Anti-Doping-Richter nach der Anti-Doping-Ordnung der DEL.
- Festgestellt wurde ein nur geringes Verschulden des Spielers.
- Die vorläufige Suspendierung wurde angerechnet, Davies war sofort wieder spielberechtigt.
- Für das Medikament lag inzwischen eine medizinische Ausnahmegenehmigung der NADA vor.
In den Playoffs konnte er danach erneut für die DEG auflaufen: 12 Begegnungen, 3 Tore, 4 Vorlagen. Eine Verlängerung gab es nicht. Laut ddorf-aktuell forderte er Anfang 2016 von der DEG 150.000 Euro Schadensersatz; wie dieser Streit ausging, ist öffentlich nicht dokumentiert.
Der Weg dorthin: Wisconsin, Chicago und keine NHL
Geboren wurde Michael Davies am 10. Dezember 1986 in Chesterfield im US-Bundesstaat Missouri. Er ist 173 cm groß, schießt rechts und spielt meist auf dem Flügel. Die englische Wikipedia führt ihn als rechten, die deutsche als linken Flügel; die DEL listet ihn schlicht als Stürmer.
Seine Jahre in Nordamerika im Überblick (Hauptrunde, bei Bridgeport nur Playoffs):
| Saison | Team | Liga | Einsätze | Treffer | Vorlagen | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2003/04 | St. Louis Heartland Eagles | USHL | 2 | 0 | 0 | 0 |
| 2004/05 | Springfield Jr. Blues | NAHL | 56 | 30 | 27 | 57 |
| 2005/06 | Lincoln Stars | USHL | 51 | 28 | 43 | 71 |
| 2006/07 | University of Wisconsin | NCAA (WCHA) | 41 | 11 | 13 | 24 |
| 2007/08 | University of Wisconsin | NCAA (WCHA) | 39 | 13 | 11 | 24 |
| 2008/09 | University of Wisconsin | NCAA (WCHA) | 34 | 10 | 13 | 23 |
| 2009/10 | University of Wisconsin | NCAA (WCHA) | 41 | 20 | 32 | 52 |
| 2009/10 | Bridgeport Sound Tigers | AHL | 3 | 0 | 0 | 0 |
| 2010/11 | Chicago Wolves | AHL | 49 | 8 | 12 | 20 |
| 2010/11 | Gwinnett Gladiators | ECHL | 8 | 2 | 5 | 7 |
| 2011/12 | Chicago Wolves | AHL | 53 | 11 | 12 | 23 |
| 2012/13 | Chicago Wolves | AHL | 57 | 15 | 10 | 25 |
| 2012/13 | Kalamazoo Wings | ECHL | 2 | 1 | 0 | 1 |
| 2013/14 | Chicago Wolves | AHL | 46 | 13 | 18 | 31 |
Die ersten Teams lagen in seiner Heimatregion: Chesterfield gehört zum Großraum St. Louis, 2003/04 traf er für die St. Louis Jr. Blues 40-mal in 45 Einsätzen. Im selben Winter kam er zu zwei Spielen für die St. Louis Heartland Eagles in der USHL. Bei den Springfield Jr. Blues wurde er 2005 Rookie of the Year der NAHL, bei den Lincoln Stars kamen in den USHL-Playoffs noch 7 Punkte dazu. Danach entschied er sich für das College und ging für vier Jahre an die University of Wisconsin in Madison, deren Team in der WCHA spielte.
Das letzte College-Jahr war sein bestes. 2009/10 sammelte er 52 Punkte und kam ins dritte All-Star-Team der WCHA. Mit den Wisconsin Badgers erreichte er das Finale um die NCAA-Meisterschaft, das am 10. April 2010 in Detroit mit 0:5 gegen Boston College verloren ging.
Gedraftet wurde Davies nie, und in der NHL hat er kein einziges Spiel bestritten. Nach drei Playoff-Einsätzen für die Bridgeport Sound Tigers im Frühjahr 2010 unterschrieb er im Oktober 2010 bei den Chicago Wolves aus der American Hockey League. Bei den Wolves blieb er vier Spielzeiten. Dazu kamen kurze Abstecher in die ECHL, 2010/11 zu den Gwinnett Gladiators, dem damaligen Farmteam der Chicago Wolves, und 2012/13 für zwei Einsätze zu den Kalamazoo Wings. Seine beste AHL-Saison war 2013/14 mit 31 Punkten, in den Playoffs kamen damals 4 Punkte aus 9 Einsätzen dazu. Insgesamt stehen 205 AHL-Hauptrundenspiele mit 47 Toren und 99 Punkten in seiner Bilanz. Die deutsche Wikipedia schreibt übrigens, Bridgeport habe ihn ohne Einsatz abgegeben; hockeyDB und die englische Wikipedia führen dagegen die drei Playoff-Spiele.
Hamburg 2015/16: was der Torjäger lieferte
Am 15. Juni 2015 meldeten die Freezers den Wechsel. Davies war 28, bekam einen Einjahresvertrag und die Rückennummer 10. Sportdirektor Stéphane Richer beschrieb ihn als sehr torgefährlich, Davies selbst sagte, er wolle in Hamburg eine Meisterschaft gewinnen. Er war Teil eines größeren Umbaus: Schon im April hatte Marcel Müller unterschrieben, im Mai und Juni folgten die Verteidiger Jonas Liwing und Sean Sullivan.

Verletzt fehlte er nie. Er stand in allen 52 Begegnungen der Hauptrunde auf dem Eis und kam auf 10 Treffer, 12 Vorlagen und 18 Strafminuten. Einer seiner Treffer fiel ausgerechnet gegen die DEG: Beim 4:3-Heimsieg Anfang Januar 2016 erzielte er in der 22. Minute das 2:0.
So ordnen sich seine Werte im Kader ein (DEL-Hauptrunde 2015/16):
| Spieler | Sp. | Tore | Vorlagen | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| Thomas Oppenheimer | 52 | 21 | 13 | 34 |
| Philippe Dupuis | 52 | 17 | 18 | 35 |
| Jerome Flaake | 51 | 14 | 21 | 35 |
| Morten Madsen | 50 | 11 | 9 | 20 |
| Michael Davies | 52 | 10 | 12 | 22 |
| David Wolf | 36 | 10 | 12 | 22 |
Zur Einordnung: Bester Torschütze der Freezers war Thomas Oppenheimer, der Neuzugang teilte sich mit David Wolf den fünften Platz. Seine Trefferquote lag bei 11,8 Prozent (85 Schüsse), zwei seiner Tore waren Siegtore, im Powerplay traf er nie. Alle 52 Spiele bestritten nur drei Stürmer: Davies, Oppenheimer und Philippe Dupuis.
Meine Einschätzung: Gemessen an der Ankündigung blieb er unter den Erwartungen. In Düsseldorf hatte er 1,26 Punkte pro Partie geholt, in Hamburg waren es 0,42. Der Mann, der zur Hälfte der Saison 2014/15 die Scorerliste angeführt hatte, war in Hamburg ein solider Rollenspieler. Warum der Unterschied so groß ausfiel, erklären die Quellen nicht, und ich will hier nicht spekulieren. Die Mannschaft beendete die Saison auf Platz 11 und verpasste die Playoffs.
Michael Davies nach Hamburg: Eishockey in Augsburg, Linz und Sheffield
Am 27. April 2016 gaben die Augsburger Panther seine Verpflichtung bekannt, wieder für ein Jahr. Knapp vier Wochen später, am 24. Mai 2016, zog Eigentümer AEG die Lizenz der Freezers zurück. Die Hintergründe stehen im Beitrag über das Aus der Freezers 2016; die Saison 2016/17 fand ohne Hamburger Team statt.
Bei den Augsburger Panthern gelang ihm seine beste DEL-Saison nach Punkten: 42 Punkte, davon 31 Vorlagen. Mit den Panthern erreichte er 2017 die Playoffs (drei Einsätze, ein Punkt). Augsburgs Trainer Mike Stewart hatte ihn bei der Verpflichtung als schnellen, technisch versierten Spieler beschrieben. Danach folgten noch drei Stationen:
| Saison | Club | Liga | Sp. | Treffer | Vorlagen | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2016/17 | Augsburger Panther | DEL | 49 | 11 | 31 | 42 |
| 2017/18 | Augsburger Panther | DEL | 39 | 10 | 14 | 24 |
| 2018/19 | EHC Black Wings Linz | EBEL (Österreich) | 39 | 16 | 14 | 30 |
| 2019/20 | Sheffield Steelers | EIHL (Großbritannien) | 41 | 13 | 26 | 39 |
Zum EHC Black Wings Linz wechselte er im November 2018. Für Linz traf Davies 16-mal in 39 Einsätzen, nach dem Aus im Viertelfinale der Playoffs verließ er den EHC wieder. Im Juni 2019 unterschrieb er bei den Sheffield Steelers in der britischen Elite Ice Hockey League (EIHL). Für die Steelers sammelte er 39 Punkte, ehe die Liga ihre Saison am 13. März 2020 wegen der Corona-Pandemie abbrach.
In der DEL kommt er laut Ligastatistik auf 163 Hauptrundenspiele mit 39 Toren und 78 Vorlagen, dazu 15 Playoff-Einsätze mit 8 Punkten. Die vollständigen Werte stehen im Spielerprofil auf penny-del.org.
Und heute?
Nach der Saison 2019/20 in Sheffield führen hockeyDB und die DEL-Statistik keine weitere Profistation im Eishockey. Was er seitdem macht, ist öffentlich nicht belegt. Eine Verwechslungsgefahr gibt es: Ein jüngerer Verteidiger gleichen Namens, Jahrgang 1997, spielte ab 2021 für die Kalamazoo Wings und später für die Tulsa Oilers in der ECHL. Mit dem früheren Freezers-Stürmer und DEL-Profi aus Chesterfield hat er nichts zu tun.

Die Karriere in fünf Zahlen
- 10: Rückennummer in Hamburg, zugleich seine Torzahl 2015/16.
- 52: Einsätze in der Hauptrunde für die Freezers, also jede Partie.
- 29: Punkte in 23 Einsätzen für die DEG, sein stärkster Lauf in Deutschland.
- 3: Monate Sperre nach dem positiven Test vom November 2014.
- 117: Punkte in 163 DEL-Hauptrundenspielen für drei Clubs.
Statistik in Hamburg
| Saison | Wettbewerb | Sp. | Tore | Assists | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| 2015/16 | DEL-Hauptrunde | 52 | 10 | 12 | 22 |
Karriere vor und nach Hamburg
Davor
- St. Louis Heartland Eagles (USHL), 2003–2004
- Springfield Jr. Blues (NAHL), 2004–2005
- Lincoln Stars (USHL), 2005–2006
- University of Wisconsin (NCAA/WCHA), 2006–2010
- Bridgeport Sound Tigers (AHL), 2010
- Chicago Wolves (AHL), 2010–2014
- Gwinnett Gladiators (ECHL), 2010–2011
- Kalamazoo Wings (ECHL), 2012–2013
- Düsseldorfer EG (DEL), 2014–2015
Danach
- Augsburger Panther (DEL), 2016–2018
- EHC Black Wings Linz (EBEL), 2018–2019
- Sheffield Steelers (EIHL), 2019–2020
Heute: Nach der Saison 2019/20 bei den Sheffield Steelers verzeichnen die Statistikdatenbanken (DEL, hockeyDB) keine weitere Profistation; was er seitdem macht, ist öffentlich nicht belegt.
Häufige Fragen
Wie viele Tore erzielte Michael Davies für die Hamburg Freezers?
In der DEL-Hauptrunde 2015/16 traf er in 52 Spielen zehnmal und bereitete zwölf Tore vor. Damit lag er im Hamburger Kader gemeinsam mit David Wolf auf Rang fünf der Torschützen; Playoffs gab es für die Freezers in dieser Saison nicht.
Hat Michael Davies in der NHL gespielt?
Nein. Er wurde nie gedraftet und bestritt kein NHL-Spiel. In Nordamerika spielte er nach dem College an der University of Wisconsin vor allem für die Chicago Wolves in der AHL (205 Hauptrundenspiele).
Warum war Michael Davies bei der DEG gesperrt?
Er war am 23. November 2014 positiv auf ein Stimulans getestet worden, dessen Einnahme nicht gemeldet war. Die NADA erreichte im März 2015 eine Sperre von drei Monaten, bei nur geringem Verschulden; die vorläufige Suspendierung seit Dezember 2014 wurde angerechnet.
Wo spielte Michael Davies nach seiner Zeit in Hamburg?
Von 2016 bis 2018 bei den Augsburger Panthern (DEL), 2018/19 beim EHC Black Wings Linz in Österreich und 2019/20 bei den Sheffield Steelers in Großbritannien. Danach ist keine weitere Profistation verzeichnet.
Quellen
- PENNY DEL: Spielerporträt Michael Davies (Archiv)
- PENNY DEL: Topscorer Hauptrunde 2015/16
- Hamburg Freezers (Archiv): Torjäger Michael Davies verstärkt Offensive der Hamburg Freezers, 15.06.2015
- NADA (Archiv): Davies für 3 Monate gesperrt, 10.03.2015
- WAZ: Doping-Posse um DEG-Stürmer Michael Davies, 16.11.2014
- Augsburger Panther: Michael Davies wird ein Panther, 27.04.2016
- ddorf-aktuell: Was für ein Spiel: Düsseldorfer EG verliert 4:3 in Hamburg, 08.01.2016
- hockeyDB: Michael Davies (b. 1986)
- Wikipedia (de): Michael Davies (Eishockeyspieler)
- Wikipedia (en): Michael Davies (ice hockey)
- Wikipedia (en): 2010 NCAA Division I men's ice hockey tournament
- Wikipedia (en): 2019–20 EIHL season
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