John Curry: Torhüter der Hamburg Freezers 2011/12
John Curry stand 2011/12 im Tor der Hamburg Freezers: 42 DEL-Spiele, Fangquote 91,7 %. Acht Fakten zu NHL, Stanley-Cup-Ring, Abschied und Karriereende.
42 Hauptrundenspiele, 22 Siege und eine Fangquote von 91,7 Prozent: Mit dieser Bilanz verabschiedete sich John Curry im Frühjahr 2012 nach nur einer Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga von den Hamburg Freezers. Der US-Amerikaner kam im Juni 2011 als Gewinner eines AHL-Torhüterpreises an die Elbe, hatte vier NHL-Einsätze für die Penguins hinter sich und besitzt einen Stanley-Cup-Ring, ohne im Finale gespielt zu haben.
Eine Klarstellung vorab, weil die Suche danach oft danebenliegt: Gemeint ist hier der Eishockeytorwart, Jahrgang 1984. Mit dem britischen Eiskunstläufer gleichen Namens hat er nichts zu tun, und auch nicht mit Verteidiger Sean Curry, der bis 2011 für die Freezers auflief.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Geboren | 27. Februar 1984 in Shorewood (Minnesota, USA) |
| Position | Torwart, fängt links |
| Größe und Gewicht | 180 cm, 84 kg |
| Rückennummer in Hamburg | 36 |
| Bei den Freezers | Saison 2011/12 |
| NHL | 8 Einsätze für die Pittsburgh Penguins und die Minnesota Wild |
| Letzte Profisaison | 2014/15 (Iowa Wild, AHL) |
1. Ein Walk-on wird Rekordtorhüter in Boston
Seine Laufbahn begann ganz unten im Kader. An der Boston University stieß er 2003 als Walk-on dazu, als dritter Torwart ohne festen Platz. In der ersten Spielzeit stand er ganze fünf Minuten auf dem Eis. Ab 2004/05 war er die Nummer eins.
2007 wählte ihn die Hockey East zum Player of the Year, beim Hobey Baker Award für den besten College-Akteur stand er unter den Finalisten. Mit Boston gewann er drei Mal den Beanpot und einmal die Hockey East. Zwei Uni-Rekorde hält er laut Boston University bis heute: den Gegentorschnitt (2,07) und die Fangquote (92,3 %) über die gesamte College-Karriere.
2. Ungedraftet zu den Pittsburgh Penguins
Im NHL Entry Draft hatte ihn kein Club gezogen. Die Pittsburgh Penguins nahmen ihn am 1. Juli 2007 als Free Agent unter Vertrag und schickten ihn zum Farmteam nach Wilkes-Barre/Scranton in die American Hockey League (AHL).
Zuvor stand er kurz in der ECHL im Tor: sechs Partien für die Las Vegas Wranglers, eine für die Wheeling Nailers. Danach wurde er bei den Baby-Penguins Stammtorwart. Die Bilanz 2007/08:
- 40 Einsätze in der regulären Saison, Gegentorschnitt 2,23, dazu 23 Play-off-Partien
- Aufnahme ins All-Rookie-Team der AHL
- Finale um den Calder Cup, verloren in sechs Partien gegen die Chicago Wolves
Insgesamt stand er bis 2011 in 210 AHL-Partien für die Wilkes-Barre/Scranton Penguins auf dem Eis.
3. NHL-Debüt und ein Ring ohne Gravur
Sein Debüt in der National Hockey League gab er am 26. November 2008 gegen die New York Islanders. Eingewechselt hielt er alle elf Schüsse, die Penguins gewannen 5:3. Zwei Tage später folgte der erste Start, eine Niederlage in Buffalo.
Die Spielzeit 2008/09 endete für die Penguins mit dem Stanley Cup. Curry bekam einen Meisterring, stand in den Play-offs aber nie im Kader. Für die Gravur auf der Trophäe reichten seine drei Hauptrundenspiele nicht. Im Januar 2010 folgte ein vierter Einsatz: gegen Vancouver kassierte er fünf Tore bei 14 Schüssen und musste nach gut 24 Minuten raus.
4. Der Hap Holmes Award 2011
Die Spielzeit 2010/11 war seine beste in der AHL. Wilkes-Barre/Scranton gewann 58 von 80 Partien und ließ nur 183 Gegentore zu, den geringsten Gegentorschnitt aller Teams der Liga. Dafür gibt es den Harry „Hap“ Holmes Memorial Award, der an das Torwart-Duo dieser Mannschaft geht. Curry teilte ihn mit Brad Thiessen, wie die AHL im April 2011 meldete.
Seine eigenen Werte: 41 Einsätze, 23 Erfolge, 2,44 Gegentore im Schnitt, Fangquote 90,5 % und zwei Shutouts. Dazu kam die Teilnahme am AHL All-Star Classic 2011. Thiessen erhielt zusätzlich den Baz Bastien Memorial Award als bester Torwart der AHL. Einen neuen Vertrag bei den Penguins bekam Curry trotzdem nicht.
5. Der 16. Juni 2011: John Curry unterschreibt bei den Hamburg Freezers
An diesem Tag stellte der Club den 27-Jährigen als neuen Schlussmann vor. Er unterschrieb für ein Jahr. Seine Rückennummer war die 36. Sportdirektor Stéphane Richer bezeichnete ihn damals als einen seiner Wunschkandidaten. Die Meldung von damals ist im Internet Archive erhalten.
Curry war Teil eines großen Umbaus nach der verpassten Play-off-Teilnahme 2011. Im März hatten die Freezers bereits Center Serge Aubin aus Fribourg verpflichtet. Im Tor sollte ein Duo entstehen: der erfahrene Amerikaner als Nummer eins, daneben der damals 20 Jahre alte Nürnberger Niklas Treutle, der an seiner Seite Eiszeit bekommen und weiter reifen sollte.
Warum Deutschland? Die Penguins hatten ihn nicht verlängert, und neben Angeboten aus Nordamerika sprach er mit Clubs aus der DEL. Rückblickend sagte er 2014 dem Portal The Hockey Writers, der Schritt an die Elbe habe sich damals richtig angefühlt.
6. Eine Saison, 42 Spiele: die Bilanz in Hamburg

Curry übernahm sofort den Stammplatz. Treutle erhielt in der Hauptrunde zwölf Einsätze, sein Kollege 42.
| Saison | Wettbewerb | Einsätze | Bilanz | Gegentorschnitt | Fangquote |
|---|---|---|---|---|---|
| 2011/12 | DEL Hauptrunde | 42 | 22-20 | 2,73 | 91,7 % |
| 2011/12 | DEL Play-offs | 5 | Serie 1:4 | 3,24 | 90,9 % |
Die Freezers beendeten die Hauptrunde mit 83 Punkten auf Platz 5 der Abschlusstabelle. Manche Saisonübersichten führen Platz 4, in der Abschlusstabelle der DEL 2011/12 stehen aber Berlin, Ingolstadt, Wolfsburg und Mannheim vorn. Die Krefeld Pinguine, der EHC München und die Ice Tigers aus Nürnberg verpassten die Play-offs ganz, die Iserlohn Roosters scheiterten in den Pre-Play-offs. Im Viertelfinale war für Hamburg gegen die Adler Mannheim nach fünf Partien Schluss (Serie 1:4), deutscher Meister wurden die Eisbären Berlin. Wie die übrigen Spielzeiten liefen, zeigt dir unsere Übersicht der Saisons 2002 bis 2016.
Bei den Fans kam der Goalie an. Laut deutscher Wikipedia wählten ihn die Anhänger zum Spieler der Saison.
7. Warum er nach einem Jahr wieder ging
Eine Vertragsverlängerung lehnte Curry ab, er wollte zurück nach Nordamerika und dort eine zweite NHL-Chance bekommen. Als Ersatz holten die Freezers den deutschen Nationaltorhüter Dimitrij Kotschnew aus der KHL.
Mit der NHL klappte es erst einmal nicht. Wer eine Saison in Europa spiele, verschwinde für die Scouts, sagte er später; die DEL werde drüben kaum beobachtet. Dazu kam der NHL-Lockout im Herbst 2012. Unterschrieben hat er schließlich am 10. Oktober 2012 bei den Orlando Solar Bears, in der ECHL und damit eine Stufe unter der AHL. Bei den Solar Bears gewann er 17 von 32 Partien und durfte einmal für die Houston Aeros in der AHL ran.
8. Zurück in der NHL mit Minnesota
Der Umweg lohnte sich doch noch. Zur Saison 2013/14 spielte er für die neu gegründeten Iowa Wild, das AHL-Team der Minnesota Wild. Deren Manager Chuck Fletcher kannte ihn aus seiner Zeit bei den Penguins. Einen Zweiwegevertrag beim NHL-Team seines Heimatstaats bekam er am 17. Februar 2014.
Am 10. April 2014 folgte sein bestes NHL-Spiel: 45 Paraden bei 47 Schüssen gegen die St. Louis Blues, dazu die Wahl zum ersten Star des Abends. 2014/15 folgten zwei weitere NHL-Einsätze, ansonsten spielte er 41-mal für Iowa.
| Saison | Club | Einsätze | Erfolge | Gegentorschnitt | Fangquote |
|---|---|---|---|---|---|
| 2008/09 | Pittsburgh Penguins | 3 | 2 | 2,40 | 91,3 % |
| 2009/10 | Pittsburgh Penguins | 1 | 0 | 12,25 | 64,3 % |
| 2013/14 | Minnesota Wild | 2 | 1 | 3,01 | 93,0 % |
| 2014/15 | Minnesota Wild | 2 | 0 | 4,18 | 80,0 % |
Über alle acht NHL-Partien stehen 3 Erfolge, ein Gegentorschnitt von 3,68 und eine Fangquote von 87,9 % zu Buche.

Und heute?
Nach 2014/15 wurde er Free Agent, einen weiteren Profivertrag gibt es in den gängigen Statistikportalen nicht. Was er seitdem beruflich macht, ist öffentlich nicht belegt, deshalb steht dazu hier nichts. Gesichert ist eine späte Ehrung: Die Boston University nahm ihn am 31. Mai 2014 in ihre Athletic Hall of Fame auf.
Meine Einschätzung: Sportlich war die Station für ihn kein Rückschritt. Eine Fangquote von 91,7 % bei 42 Einsätzen ist für einen Torwart in seiner ersten DEL-Spielzeit ordentlich, und die Fans haben das honoriert. Für die Karriere war die Saison trotzdem verlorene Zeit, so hat er es selbst beschrieben. Zurück in die NHL kam er erst über die ECHL und zwei Jahre Umweg.
Die Freezers selbst gab es vier Jahre nach seinem Abschied nicht mehr, die Geschichte dazu steht in unserer Chronik zum Aus der Freezers im Mai 2016. Die anderen Profis aus 14 Jahren Freezers findest du in der Übersicht aller Spieler.
Statistik in Hamburg
| Saison | Wettbewerb | Sp. | Schnitt | Quote | Shutouts |
|---|---|---|---|---|---|
| 2011/12 | DEL Hauptrunde | 42 | 2,73 | 91,7 % | |
| 2011/12 | DEL Play-offs | 5 | 3,24 | 90,9 % |
Karriere vor und nach Hamburg
Davor
- Boston University (NCAA, Hockey East), 2003–2007
- Las Vegas Wranglers (ECHL), 2007/08
- Wheeling Nailers (ECHL), 2007/08
- Wilkes-Barre/Scranton Penguins (AHL), 2007–2011
- Pittsburgh Penguins (NHL), 2008–2010
Danach
- Orlando Solar Bears (ECHL), 2012/13
- Houston Aeros (AHL), 2012/13
- Iowa Wild (AHL), 2013–2015
- Minnesota Wild (NHL), 2014–2015
- Quad City Mallards (ECHL), 2014/15
Heute: Seit 2014 gehört er der Athletic Hall of Fame der Boston University an; seine letzte Profisaison spielte er 2014/15.
Häufige Fragen
Wie lange spielte John Curry für die Hamburg Freezers?
Eine Saison. Er kam im Juni 2011 und verließ den Club nach den Play-offs 2012, weil er wieder in Nordamerika spielen wollte.
Hat John Curry den Stanley Cup gewonnen?
Er erhielt 2009 mit den Pittsburgh Penguins einen Meisterring, stand in den Play-offs aber nicht im Kader. Auf der Trophäe ist sein Name deshalb nicht eingraviert.
Welche Rückennummer trug John Curry in Hamburg?
Die 36. So stand es in der Meldung der Freezers vom 16. Juni 2011.
Wie viele NHL-Spiele bestritt John Curry?
Acht: vier für Pittsburgh (2008–2010) und vier für Minnesota (2014–2015), mit drei Siegen und einer Fangquote von 87,9 %.
Quellen
- Freezers verpflichten Torhüter John Curry (16.06.2011, Internet Archive)
- Thiessen, Curry claim Holmes Award (AHL, 10.04.2011)
- John Curry (Eishockeyspieler), Wikipedia
- John Curry (ice hockey), Wikipedia
- John Curry, NHL-Statistik (Hockey-Reference)
- DEL 2011/12 (Abschlusstabelle, Play-offs), Wikipedia
- John Curry's AHL redemption road leads to Iowa (The Hockey Writers, 2014)
- Solar Bears add AHL All-Star John Curry (10.10.2012)
- Six Terrier Athletes Named to BU Hall of Fame (Boston University, 2014)
- Niklas Treutle, Wikipedia
- John Curry, Spielerstatistik (Eliteprospects)
Zuletzt geprüft am
