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Hamburg Freezers Archiv2002–2016 · und Eishockey in Hamburg heute

Hamburg Freezers 2016/17: die Saison, die nie kam

Hamburg Freezers 2016/17: Neuzugänge wie Drew MacIntyre, der Lizenzverzicht im Mai 2016 und wohin Kader und Trainer danach wechselten. Sechs Annahmen geprüft.

Leere Eishalle mit unberührter Eisfläche und gedimmtem Licht über leeren Sitzreihen

Am 27. April 2016 stellten die Hamburg Freezers einen neuen Torhüter vor. Drew MacIntyre, 32 Jahre alt, Kanadier, im Dezember 2015 mit Team Canada Sieger des Spengler Cups, unterschrieb bis 2018. Gleichzeitig meldete der Club Verteidiger Matt Pelech von den Schwenninger Wild Wings. Drei Wochen später kündigte der Eigentümer an, keine Lizenz zu beantragen. Die Saison der Hamburg Freezers 2016/17 fand nie statt.

Diese Seite handelt von einem Kader, der verstärkt und kurz darauf aufgelöst wurde. Ich prüfe sechs Annahmen zur letzten geplanten Spielzeit der Freezers an den Quellen. Zur Einordnung: Die Saison 2015/16 hatten die Freezers auf Platz 11 mit 72 Punkten beendet und die Pre-Play-offs verpasst. Im Schnitt sahen trotzdem 9.022 Zuschauer jedes Heimspiel in der Arena. Ihr letztes DEL-Spiel bestritten die Freezers im März 2016 zum Ende der Hauptrunde. Dass es das letzte war, ahnte damals keiner.

Die Saison 2016/17 auf einen Blick

Datum Was geschah
27.04.2016 Neuzugänge Drew MacIntyre (Torhüter) und Matt Pelech (Verteidiger)
28.04.2016 Mario Simioni wird Co-Trainer unter Serge Aubin
Anfang Mai 2016 Tausch: David Wolf nach Mannheim, Martin Buchwieser nach Hamburg
18.05.2016 AEG kündigt an, keine DEL-Lizenz zu beantragen
24.05.2016 Frist verstreicht, kein Käufer, die Freezers sind Geschichte
01.06.2016 Thomas Oppenheimer unterschreibt beim ERC Ingolstadt
Anfang Juli 2016 Die Fischtown Pinguins erhalten den 14. DEL-Platz

Annahme 1: „Für 2016/17 wurde gar nicht mehr geplant“

Das Gegenteil ist belegt. Der Club baute den Kader im April und Mai 2016 aktiv um. MacIntyre sollte die Nummer eins werden, Pelech die Abwehr härter machen. Der Verteidiger erzielte in Schwenningen in 49 Spielen 8 Tore und gab 12 Vorlagen.

Einen Tag später, am 28. April, folgte der Trainerstab. Mario Simioni, 53, viermal dänischer Meister mit Herning Blue Fox, sollte Cheftrainer Serge Aubin als Co-Trainer unterstützen, mit einem Einjahresvertrag. Anfang Mai tauschten Hamburg und die Adler Mannheim dann zwei Stürmer: David Wolf ging zurück zu dem Club, in dessen Nachwuchs er gespielt hatte, Martin Buchwieser wechselte an die Elbe.

Wer Ende April noch einen Torhüter bis 2018 bindet, rechnet mit einer neuen Spielzeit. Die sportliche Leitung ging also bis kurz vor Schluss von einer DEL-Saison 2016/17 aus.

Annahme 2: „Die Freezers sind pleitegegangen“

So einfach war es nicht. Hamburg hatte seit 2002 einen Club in der Deutschen Eishockey Liga, nachdem die DEL am 24. Juni 2002 dem Umzug der München Barons zugestimmt hatte. In 14 Jahren erreichten die Freezers zweimal das Halbfinale, 2004 und 2014.

Eigentümer der Freezers war die Anschutz Entertainment Group (AEG), der zugleich die Eisbären Berlin gehören. Am 18. Mai 2016 kündigte AEG an, für 2016/17 keine Lizenz zu beantragen. Begründung: Man suche seit 2011 vergeblich einen Käufer und wolle nur noch ein Team in der Deutschen Eishockey Liga besitzen.

Bis zur Frist am 24. Mai blieben sechs Tage. Fan Frederik Gutzeit stieß eine Rettungsaktion an, Kapitän Christoph Schubert und Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste warben öffentlich dafür. Zusammen lagen rund 1,2 Millionen Euro auf dem Tisch, über 560.000 Euro davon aus dem Crowdfunding. AEG reichte das nicht, um die Lücke im Budget zu schließen. Geschäftsführer Uwe Frommhold hatte die Chancen laut Sport1 schon vorher auf ein Prozent beziffert.

Für die Sportstadt Hamburg war es laut Sport1 der vierte Rückschlag seit November 2015. Vorher waren schon die Olympia-Bewerbung im Referendum und der HSV Handball in der Insolvenz gescheitert, auch die Volleyballerinnen von VT Aurubis hatten aufgegeben. DEB-Präsident Franz Reindl sprach von einer Katastrophe für die Region. In der Arena, die ebenfalls AEG gehört, mussten ab September mindestens 26 Termine neu vergeben werden.

Ein Widerspruch in den Quellen: Die englischsprachige Wikipedia schreibt bei MacIntyre, der Club sei „in administration“ gegangen. Die deutschen Berichte und die Mitteilung von AEG sprechen nur vom Verzicht auf den Lizenzantrag. Den ganzen Ablauf findest du im Kapitel Das Aus der Hamburg Freezers 2016.

Annahme 3: „Die Neuzugänge haben nie für Hamburg gespielt“

Das stimmt. MacIntyre, Pelech und Buchwieser bestritten kein einziges Pflichtspiel für die Freezers. Ihre Verträge endeten, bevor sie überhaupt in Hamburg angekommen waren. Was danach folgte, ist bei allen dreien gut dokumentiert:

  • Drew MacIntyre: im September 2016 Probevertrag im Trainingslager der Washington Capitals, im Oktober Wechsel zu KHL Medveščak Zagreb (21 Spiele, Fangquote .925), ab 8. Januar 2017 bei den Adler Mannheim.
  • Matt Pelech: im September 2016 zu den Graz 99ers in die österreichische Liga, 48 Spiele, 4 Tore, 10 Vorlagen.
  • Martin Buchwieser: im Spätsommer 2016 für eine Saison zum ERC Ingolstadt.

Von Drew MacIntyre in Hamburg sind eine Pressemitteilung und ein Vertrag bis 2018 geblieben. Ein Spiel im Freezers-Trikot gibt es nicht. Die Meldung vom 27. April 2016 findest du heute nur noch im Internet Archive, die alte Vereinsseite ist längst abgeschaltet.

Torhüterausrüstung mit Maske und Schonern auf einer Holzbank in einer leeren Kabine
Fertig gepackt, nie gebraucht: Die Neuzugänge für 2016/17 kamen nicht mehr zum Einsatz.

Annahme 4: „Der ganze Kader stand ohne Verein da“

Mit dem Lizenzverzicht hatten die Spieler keinen Club mehr, für den sie 2016/17 auflaufen konnten. Wie die Verträge im Einzelnen aufgelöst wurden, ist öffentlich nicht dokumentiert. Belegt ist dagegen, dass viele schnell unterkamen, manche schon nach einer Woche.

Spieler Position Station 2016/17
Thomas Oppenheimer Stürmer ERC Ingolstadt (DEL), Fünfjahresvertrag ab 01.06.2016
David Wolf Stürmer Adler Mannheim (DEL), Siebenjahresvertrag
Brett Festerling Verteidiger Nürnberg Ice Tigers (DEL), ab 24.06.2016
Marcel Müller Stürmer Krefeld Pinguine (DEL), ab Februar 2017 Linköping HC
Christoph Schubert Verteidiger Crocodiles Hamburg (Oberliga)
Dimitri Kotschnew Torhüter Karriereende

Freezers-Kapitän Christoph Schubert ist der Sonderfall. Er blieb in Hamburg, spielte ab 2016/17 für die Crocodiles in der Oberliga und arbeitete zugleich in deren Geschäftsstelle. Seine Spielerkarriere beendete er erst im Juni 2019.

Annahme 5: „Ein anderer Hamburger Club rückte in die DEL nach“

Den frei gewordenen Platz bekamen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Sie hatten sich als einziger Club der DEL2 um eine Lizenz beworben und erhielten Anfang Juli 2016 den 14. Startplatz. Damit blieb die Liga bei 14 Teams. Bremerhaven hatte von 2004 bis 2013 in der 2. Bundesliga gespielt, danach in der DEL2. Im Mai 2016 war Wolfsburg laut Sport1 der einzige verbliebene DEL-Club im Norden, mit den Pinguins rückte nun ein Standort an der Küste nach.

Für einen Aufsteiger lief es ordentlich. Laut Hauptrundentabelle der DEL 2016/17 wurden die Pinguins Zehnter mit 64 Punkten, setzten sich in den Pre-Play-offs gegen den ERC Ingolstadt durch und schieden im Viertelfinale gegen den EHC Red Bull München aus. Deutscher Meister wurde am Ende ebenfalls München, nach einer Finalserie gegen Wolfsburg über fünf Spiele. Für die Mannschaft aus Bremerhaven war es die erste Teilnahme an den Play-offs der DEL.

Ob Hamburg je wieder einen DEL-Club bekommt, behandeln wir unter Comeback und Nachfolger.

Infografik Zeitstrahl April bis Juli 2016: Neuzugänge, Lizenzverzicht und Wechsel der Spieler
Zeitstrahl der Saison, die nie kam: von den letzten Verpflichtungen bis zur Lizenz für Bremerhaven.

Annahme 6: „Für die Trainer war das Aus ein Karriereknick“

Für Serge Aubin eher nicht. Der Cheftrainer ging im Juni 2016 mit einem Zweijahresvertrag zu den Vienna Capitals und wurde dort im April 2017 österreichischer Meister. Mehr zu seiner Zeit als Spieler und Trainer in Hamburg steht im Profil von Serge Aubin.

Mario Simioni, der vorgesehene Co-Trainer, übernahm im Mai 2016 die Frederikshavn White Hawks in Dänemark als Cheftrainer. Seine Hamburger Station kam über den Vertrag nie hinaus.

Was von 2016/17 bleibt

Von den 15 Saisonseiten dieses Archivs ist 2016/17 die einzige ohne ein Spiel. Zwischen der Verpflichtung von MacIntyre und dem Ablauf der Lizenzfrist lagen 27 Tage.

  • Letzte Neuzugänge: MacIntyre und Pelech am 27.04.2016, Buchwieser im Tausch für Wolf.
  • Lizenzverzicht: angekündigt am 18.05., endgültig am 24.05.2016.
  • Nachrücker in der DEL: Fischtown Pinguins Bremerhaven.
  • Im Juni 2016 wurde auch der Hamburg Freezers e. V. aufgelöst.

Meine Einschätzung: Die Planung im April war kein Fehler der sportlichen Leitung. Sie musste so arbeiten, als gäbe es die Saison, sonst wäre der Kader im Fall einer Rettung leer gewesen. Alle 14 Spielzeiten davor findest du in der Übersicht aller Saisons.

Häufige Fragen

Warum gab es die Saison 2016/17 der Hamburg Freezers nicht?

Eigentümer AEG, dem auch die Eisbären Berlin gehören, beantragte bis zur Frist am 24. Mai 2016 keine DEL-Lizenz. Ein Käufer fand sich nicht, die Rettungsaktion mit rund 1,2 Millionen Euro reichte AEG nicht.

Hat Drew MacIntyre je für die Freezers gespielt?

Nein. Er unterschrieb am 27. April 2016 bis 2018, bestritt aber kein Spiel. Er ging über Washington (Probevertrag) und Medveščak Zagreb im Januar 2017 zu den Adler Mannheim.

Wer bekam den DEL-Platz der Freezers?

Die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven erhielten Anfang Juli 2016 die 14. Lizenz und wurden in ihrer ersten DEL-Saison Zehnter.

Wo spielte Christoph Schubert nach dem Aus?

Der Kapitän wechselte zu den Crocodiles Hamburg in die Oberliga und arbeitete dort auch in der Geschäftsstelle. Seine Karriere beendete er im Juni 2019.

Quellen

  1. DEL: Hauptrunde 2016/17 (Statistik-Archiv)
  2. Sport1: Hamburg Freezers ziehen sich aus der DEL zurück (18.05.2016)
  3. Sport1: Keine DEL-Lizenz, Rettung der Hamburg Freezers gescheitert
  4. Wikipedia: Hamburg Freezers
  5. Wikipedia: Drew MacIntyre
  6. Wikipedia: Matt Pelech
  7. Wikipedia: Martin Buchwieser
  8. Wikipedia: Fischtown Pinguins
  9. Wikipedia: Serge Aubin
  10. Wikipedia: Christoph Schubert
  11. Wikipedia: Thomas Oppenheimer
  12. Internet Archive: Pressemitteilungen der Freezers vom 27./28.04.2016

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