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Hamburg Freezers Archiv2002–2016 · und Eishockey in Hamburg heute

Dimitrij Kotschnew: Torhüter der Hamburg Freezers

Dimitrij Kotschnew hütete von 2012 bis 2016 das Tor der Hamburg Freezers. Seine vier Saisons im Vergleich, die Duelle mit Curry und Caron und sein Abschied.

Torwart-Beinschienen, Fanghandschuh und Stockhand-Blocker auf einer Holzbank vor der leeren Eisfläche einer abgedunkelten Halle

Seine erste Saison im Herrenbereich spielte Dimitrij Kotschnew an der Elbe. Das war im Winter 2000/01, bei den Crocodiles in der Oberliga, 32 Partien mit einem Gegentorschnitt von 3,33. Zwölf Jahre danach kam er zurück, diesmal als Nationaltorhüter mit vier KHL-Jahren im Gepäck. Von 2012 bis zum Aus im Mai 2016 stand er als Eishockeytorwart der Hamburg Freezers in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) im Kader, vier komplette Spielzeiten lang.

Hier findest du seine vier Hamburger Saisons nebeneinander, dazu den Vergleich mit Vorgänger und Partnern im Tor. Die Zahlen stammen aus der DEL-Statistik, wie Wikipedia und hockeyDB sie wiedergeben, und aus dem Spielerprofil der alten Freezers-Website, das im Internet Archive erhalten ist.

Steckbrief des Eishockeytorwarts

  • Geburtsdatum: 15. Juli 1981
  • Geburtsort: Karaganda (Kasachstan)
  • Nationalität: deutsch (laut Wikipedia zusätzlich russischer Pass)
  • Position: Torwart, fängt links
  • Größe/Gewicht: 184 cm, 80 kg
  • Rückennummer bei den Freezers: 30
  • Zeit in Hamburg: 2012–2016, 93 Hauptrundenspiele und 5 Play-off-Partien

Geburtsdatum, Größe und Gewicht stehen so auch im Profil von 2013/14, das im Internet Archive liegt.

Mit sieben Jahren ging er bei Awtomobilist Karaganda zum ersten Mal aufs Eis. Zwei Jahre später zog die Familie nach Deutschland, seine Mutter ist deutscher Herkunft.

Karriere vor Hamburg: Iserlohn, Nürnberg und die Kontinental Hockey League

Nach dem Oberliga-Winter bei den Crocodiles wechselte er 2001 zu den Iserlohn Roosters. Als Eishockeytorwart der Iserlohn Roosters brauchte er Geduld. Spielpraxis holte er sich zunächst mit Förderlizenz in der 2. Bundesliga, in Straubing und Duisburg. Ab 2004/05 war er am Seilersee die Nummer eins.

  • 2001–2007 Iserlohn Roosters (DEL): sechs Spielzeiten, 2006/07 mit 48 Hauptrundeneinsätzen
  • 2007/08 Nürnberg Ice Tigers (DEL): 43 Partien, GTS 2,35, Fangquote 92,1 Prozent
  • 2008–2010 Spartak Moskau (KHL): Debüt am 4. Dezember 2008
  • 2010/11 Lokomotive Jaroslawl (KHL): 44 Partien, Fangquote 92,0 Prozent
  • 2011/12 Atlant Mytischtschi (KHL): nur 13 Partien, ein russischer Nationaltorwart war dort gesetzt

Wegen seines Geburtsorts zählte er in Russland nicht als Ausländer, was ihn für die Klubs dort interessant machte. Eigentlich wollte er nur zwei Jahre bleiben. Es wurden vier. Sein bestes Spiel in Moskau: Am 13. Februar 2009 hielt er beim 2:0 gegen ZSKA alle 50 Schüsse aufs Tor. Den Flugzeugabsturz von Lokomotive im September 2011 erlebte er aus der Ferne, er hatte Jaroslawl wenige Monate vorher verlassen. Unter den Toten war auch der Nationalspieler Robert Dietrich.

Kotschnew bei den Hamburg Freezers: vier Saisons im Vergleich

Im Sommer 2012 brauchte der Club einen neuen Mann im Tor. Nachdem John Curry nach einer Spielzeit nach Nordamerika gegangen war, fehlte die Nummer eins. Der US-Amerikaner hatte vier Partien in der National Hockey League (NHL) und mehrere Winter in der American Hockey League (AHL) hinter sich. Als Ersatz wechselte der Nationalgoalie aus Mytischtschi in die Hansestadt und erhielt die Nummer 30. Seine Rolle veränderte sich danach mehrfach, das zeigt die Tabelle. GTS steht für den Gegentorschnitt, Min für die Spielminuten.

Saison Spiele Min GTS Fangquote Shutouts Endrunde Partner im Tor Team
2012/13 36 2095 2,23 92,4 % 3 – Niklas Treutle Platz 5, Viertelfinale
2013/14 17 1027 2,10 92,8 % 4 5 (1,41 / 94,7 %) Sébastien Caron, Treutle Platz 1, Halbfinale
2014/15 20 1177 2,96 89,7 % 1 – Sébastien Caron Platz 4, Viertelfinale
2015/16 20 1116 2,58 90,9 % 2 – Caron, Cal Heeter Platz 11
Gesamt 93 5415 2,44 – 10 5

Die Fangquoten 2014/15 und 2015/16 folgen hockeyDB, Wikipedia nennt 90,0 und 91,0 Prozent. Den Gesamtschnitt habe ich aus den 220 Gegentoren und 5415 Minuten berechnet.

2012/13 war sein Jahr mit den meisten Einsätzen in der regulären Saison. Mit Niklas Treutle bildete er nach einem Porträt der Liga eines der stärksten Torhüterduos der DEL, unangefochten war er aber nicht. Im Januar 2013 wies er eine Meldung zurück, er habe um die Auflösung seines Vertrags gebeten. Der Club wollte damals verlängern, die Gespräche liefen. Im Viertelfinale gegen die Eisbären Berlin hütete dann Treutle in allen sechs Partien das Tor, die Serie ging 2:4 verloren.

2013/14 brachte den Hauptrundensieg und für ihn weniger Eiszeit. Im Oktober 2013 holte der Club Sébastien Caron, den Iserlohn kurz nach Saisonstart beurlaubt hatte. Der Kanadier kam auf 24 Hauptrundenpartien, Kotschnew auf 17, aber mit der besten Quote seiner Freezers-Zeit und vier Shutouts. In der K.-o.-Runde der Saison 2013/14 teilten sich beide das Tor: er fünf Partien mit Schnitt 1,41 und zwei Shutouts, Caron sieben. Im Viertelfinale ging es ausgerechnet gegen Iserlohn, den Ex-Club beider Torhüter. Das Team gewann 4:2, im Halbfinale war gegen den späteren Meister ERC Ingolstadt nach sechs Partien Schluss.

2014/15 und 2015/16 war Caron die erste Wahl, 2014/15 mit 33 Partien. Im September 2015 fiel er mit einem Bandscheibenschaden lange aus. Im Oktober wurde Cal Heeter verpflichtet, der Deutsche stand erneut in 20 Partien im Tor. Zum Ende der Saison 2015/16 stand Rang 11, die Endrunde war verpasst.

Curry, Kotschnew, Caron: drei Torhüter einer Generation

Zwischen 2011 und 2016 hüteten drei erfahrene Goalies nacheinander und teilweise nebeneinander das Hamburger Tor. Ihre Bilanzen für den Club im direkten Vergleich:

Goalie Herkunft In Hamburg Hauptrunde Play-offs Beste Saisonquote
John Curry USA 2011–2012 42 5 91,7 % (2011/12)
Dimitrij Kotschnew Deutschland 2012–2016 93 5 92,8 % (2013/14)
Sébastien Caron Kanada 2013–2016 69 14 94,4 % (2013/14)

Der US-Amerikaner Curry war die Lösung für eine Saison. Caron hatte die besten Einzelwerte, verpasste aber den Großteil der letzten Spielzeit. Der Mann mit der 30 war der Rückhalt über vier Spielzeiten, selten unumstritten und doch nie weg. Genau darin lag sein Wert. Drei Viertelfinals in Folge (2013 bis 2015) schafft ein Club kaum, wenn hinter der Nummer eins niemand mit Nationalmannschaftsniveau sitzt.

Dunkelblaues Torwarttrikot ohne Logo mit der weißen Rückennummer 30 an einem Haken in einer leeren Kabine
Die 30 trug Kotschnew in allen vier Hamburger Spielzeiten.

Nationaltorhüter: vier Weltmeisterschaften, keine Olympischen Spiele

In den Kader der Nationalmannschaft kam er erstmals 2004/05. Sein WM-Debüt gab er 2007 im ersten Spiel gegen Kanada, gegen Tschechien gelang ihm im selben Turnier sein erster Shutout im Nationaltrikot. Laut Wikipedia bestritt er insgesamt 79 Länderspiele, 2014 trat er aus der Nationalmannschaft zurück.

Weltmeisterschaft Verein Einsätze
2007 Iserlohn Roosters 2 (1 Shutout)
2008 Nürnberg Ice Tigers 1
2009 Spartak Moskau im Kader, kein Einsatz
2010 Spartak Moskau 1
2012 Atlant Mytischtschi 2

Bei Olympischen Spielen kam er nie zum Einsatz. Im deutschen Olympiakader 2010 in Vancouver fehlt sein Name. Für die Olympia-Qualifikation im Februar 2013 in Bietigheim-Bissingen gehörte er als Freezers-Goalie zum vorläufigen Aufgebot, das Team verpasste dort die Spiele von Sotschi 2014.

Infografik: Karriere-Zeitstrahl von Dimitrij Kotschnew von Karaganda über Iserlohn, Nürnberg und die KHL bis zu den Hamburg Freezers 2012–2016
Die Stationen seiner Karriere im Überblick.

Erfolge und Auszeichnungen

Die meisten Ehrungen erhielt er vor seiner Zeit bei den Freezers:

  • 2005: Iserlohns Sportler des Jahres
  • 2007: Teilnahme am DEL All-Star Game
  • 2008: erneut für das All-Star Game nominiert, verletzt abgesagt
  • 2008: bester Torhüter der DEL, damals als Eishockeytorwart der Nürnberg Ice Tigers
  • Februar 2009: KHL-Torhüter des Monats bei Spartak
  • 2013/14: Hauptrundensieg mit Hamburg

Das Aus 2016 und das Karriereende

Am 24. Mai 2016 verzichtete Eigentümer AEG auf die Lizenz für die Saison 2016/17. Alle Spieler waren damit ohne Vertrag. Am 27. April, keine vier Wochen vorher, hatte der Club noch Drew MacIntyre als neuen Schlussmann verpflichtet. Wie es danach mit dem Kader weiterging, steht im Beitrag zur Saison 2016/17, die nie gespielt wurde.

Mit 34 hörte er auf. Ein neuer Club kam nicht mehr. In der DEL stehen am Ende 313 Hauptrundenspiele mit 18 Shutouts, in der KHL 114 Partien. In einem Interview mit der KHL im April 2019 erzählte er, dass nach dem Karriereende sein Sohn geboren wurde und die Familie nicht mehr umziehen wollte. Aus Hamburg wollte er nicht weg, dort hatte er seine Frau kennengelernt. Damals stand er kurz vor dem Abschluss eines Studiums. Einen Job im Eishockey suchte er nicht, ausschließen wollte er ihn aber auch nicht. Und er wünschte sich, dass die Stadt wieder ein Profiteam bekommt, die Fans würden es seiner Meinung nach tragen.

Kernaussagen zu Dimitrij Kotschnew

  • Vier Saisons in Hamburg (2012–2016), 93 Hauptrundenspiele mit der Nummer 30.
  • Beste Quote 2013/14 mit 92,8 Prozent, dazu 94,7 Prozent in den Play-offs.
  • Vorher bester Goalie der DEL 2008 und vier Spielzeiten in der KHL.
  • Für Deutschland bei vier Weltmeisterschaften im Einsatz, Olympia blieb ihm verwehrt.
  • Nach dem Lizenzverzicht 2016 hörte er auf und blieb in der Stadt.

Weitere Porträts aus 14 DEL-Spielzeiten an der Elbe findest du in der Übersicht der Spieler.

Statistik in Hamburg

SaisonWettbewerbSp.SchnittQuoteShutouts
2012/13DEL Hauptrunde362,2392,4 %3
2013/14DEL Hauptrunde172,1092,8 %4
2013/14DEL Play-offs51,4194,7 %2
2014/15DEL Hauptrunde202,9689,7 %1
2015/16DEL Hauptrunde202,5890,9 %2

Karriere vor und nach Hamburg

Davor

  • Crocodiles Hamburg (Oberliga), 2000/01
  • Iserlohn Roosters (DEL), 2001–2007
  • Straubing Tigers (2. Bundesliga, Förderlizenz), 2002/03
  • EV Duisburg (2. Bundesliga, Förderlizenz), 2003/04
  • Nürnberg Ice Tigers (DEL), 2007/08
  • Spartak Moskau (KHL), 2008–2010
  • Lokomotive Jaroslawl (KHL), 2010/11
  • Atlant Mytischtschi (KHL), 2011/12

Heute: Nach dem Karriereende 2016 blieb er in Hamburg; 2019 stand er nach eigener Aussage kurz vor dem Abschluss eines Studiums.

Häufige Fragen

Wie lange stand Dimitrij Kotschnew bei den Hamburg Freezers unter Vertrag?

Vier Spielzeiten, von Sommer 2012 bis zum Aus des Clubs im Mai 2016. In dieser Zeit kam er auf 93 Hauptrundenspiele und 5 Play-off-Spiele.

Welche Rückennummer hatte Kotschnew in Hamburg?

Die 30. So steht es in den Kaderlisten der Freezers für 2012/13 und 2013/14.

War Dimitrij Kotschnew bei Olympischen Spielen?

Nein. Er stand bei vier Weltmeisterschaften im Tor (2007, 2008, 2010, 2012), im Olympiakader 2010 war er nicht. Für die Qualifikation zu Sotschi 2014 gehörte er zum vorläufigen Aufgebot, Deutschland scheiterte dort.

Was macht Kotschnew heute?

Nach dem Karriereende 2016 blieb er in Hamburg. In einem KHL-Interview von 2019 sagte er, er schließe gerade ein Studium ab und verbringe mehr Zeit mit seiner Familie.

Quellen

  1. Dimitrij Kotschnew, Wikipedia
  2. Dimitrij Kotschnew: Dauerbrenner im DEB-Team (PENNY DEL, 21.01.2013)
  3. Dimitrij Kotschnew, Spielerprofil 2013/14 (Internet Archive)
  4. Freezers-Kader 2012/13 mit Rückennummern (Internet Archive)
  5. Dimitrij Kotschnew, Statistik (hockeyDB)
  6. Dimitrij Kotschnew, WM-Statistik (hockeyarchives.info)
  7. Dimitrij Kotschnew: The best years of my career were with Spartak (KHL, 09.04.2019)
  8. Cortina benennt vorläufiges Aufgebot für Olympia-Qualifikation (PENNY DEL)
  9. Hamburg Freezers, Wikipedia
  10. Sébastien Caron, Wikipedia
  11. Niklas Treutle, Wikipedia
  12. Cal Heeter, Wikipedia
  13. Olympische Winterspiele 2010/Teilnehmer (Deutschland), Wikipedia

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