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Hamburg Freezers Archiv2002–2016 · und Eishockey in Hamburg heute

Sébastien Caron: Torhüter der Hamburg Freezers 2013–2016

Sébastien Caron im Steckbrief: NHL-Zeit bei den Penguins, Wechsel aus Iserlohn im Oktober 2013, Duo mit Kotschnew in Hamburg und was der Torhüter heute macht.

Leeres Eishockeytor von oben mit Puck im blau markierten Torraum auf frisch gezogenem Eis

94,38 Prozent. So viele Schüsse hielt Sébastien Caron in seinen 24 Hauptrundenspielen für die Hamburg Freezers in der Saison 2013/14, bei 1,67 Gegentoren im Schnitt. Der Kanadier war erst im Oktober 2013 von den Iserlohn Roosters gekommen. Hamburg beendete die Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf Platz 1, zum einzigen Mal in 14 Jahren.

Der Steckbrief hier geht seine Laufbahn in sieben Prüfpunkten durch. Wo Quellen auseinanderliegen, steht das dabei. Die Zahlen für Hamburg stammen aus dem DEL-Statistikarchiv, die übrigen aus Wikipedia, hockey-reference und den Meldungen der Jahre 2013 bis 2019.

Merkmal Angabe
Geboren 25. Juni 1980 in Amqui, Provinz Quebec (Kanada)
Position Torhüter, fängt links
NHL Entry Draft 1999, Pittsburgh Penguins, an 86. Stelle
NHL 95 Einsätze für vier Clubs
Rückennummer in Hamburg 35
Bei den Freezers Oktober 2013 bis Frühjahr 2016
DEL-Partien für Hamburg 69 Hauptrunde, 14 Play-offs

Prüfpunkt 1: der Weg von Rimouski in die NHL

Geboren ist der Kanadier in Amqui in der Provinz Quebec. Von 1998 bis 2000 stand er für die Océanic de Rimouski in der Juniorenliga von Quebec im Tor. Im Frühjahr 2000 gewann er mit dem Team die Coupe du Président und danach den Memorial Cup. Dazu kamen die Hap Emms Memorial Trophy als bester Torhüter des Turniers und ein Platz im All-Star-Team.

Schon 1999 hatten ihn die Pittsburgh Penguins im NHL Entry Draft gezogen, als 86. Pick. Bei der Runde widersprechen sich die Quellen: Die deutsche Wikipedia und die Vereinsmeldung von 2013 nennen die dritte, das Elmira College die vierte Runde. Die Nummer im Draft ist überall dieselbe.

Zwei Jahre lang hielt er danach nur für das Farmteam der Penguins, die Wilkes-Barre/Scranton Penguins in der American Hockey League (AHL). In der Saison 2002/03 folgte das Debüt in der National Hockey League (NHL). In 24 Partien für die Pittsburgh Penguins ließ er im Schnitt 2,64 Tore zu und wurde ins NHL All-Rookie Team gewählt.

Prüfpunkt 2: Wo spielte Sébastien Caron in der NHL?

Auf 95 NHL-Einsätze kam er insgesamt, verteilt auf vier Clubs:

  • Pittsburgh Penguins (2002 bis 2006): 90 Spiele, davon 40 in der Saison 2003/04. Im Juni 2006 kauften die Penguins das letzte Vertragsjahr heraus.
  • Chicago Blackhawks (2006/07): ein Einsatz. Die Blackhawks hatten ihn im Sommer 2006 als Free Agent verpflichtet, meist hielt er aber in der AHL für die Norfolk Admirals.
  • Anaheim Ducks (2006/07): ein Einsatz. Noch vor dem Jahreswechsel tauschten die Blackhawks ihn zu den Ducks, dort spielte er überwiegend für die Portland Pirates in der AHL. Beim Titelgewinn der Ducks 2007 saß er als Ersatztorhüter nie auf der Bank, einen Ring bekam er trotzdem. Auf dem Stanley Cup selbst steht sein Name nicht, dafür hatte er zu wenige Einsätze.
  • Tampa Bay Lightning (2011/12): drei Einsätze. Bei den Lightning unterschrieb er im März 2012, aufs Eis ging er für das NHL-Team erst nach dem Play-off-Aus der Iserlohn Roosters.

Den Lockout 2004/05 überbrückte er in der Ligue Nord-Américaine de Hockey in Quebec. Die Philadelphia Flyers nahmen ihn im April 2010 unter Vertrag, eingesetzt haben sie ihn nicht. In englischsprachigen Statistiken steht er meist ohne Akzent als Sebastien Caron. Seine NHL-Bilanz laut hockey-reference: 26 Siege, 48 Niederlagen, Gegentorschnitt 3,44, Fangquote 89,2 Prozent.

Eine Vergangenheit bei den Pittsburgh Penguins hatte übrigens auch John Curry, der 2011/12 im Tor der Freezers stand.

Prüfpunkt 3: Schweiz, KHL, Sauerland

2007 ging der Torhüter nach Europa, zu Fribourg-Gottéron in die Schweizer National League A. In drei Spielzeiten kam er für Fribourg-Gottéron auf 158 Einsätze inklusive Play-offs. 2008 gewann er mit Team Canada den Spengler Cup in Davos.

Im August 2010 unterschrieb er beim HK Traktor Tscheljabinsk in der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL). Nach zwölf Partien für Traktor war das Kapitel im November vorbei, der Vertrag wurde aufgelöst. Der HC Lugano holte ihn zurück in die Schweiz, für Lugano hielt er bis zum Saisonende 2010/11.

Die Iserlohn Roosters verpflichteten ihn am 20. Juli 2011. Seine erste Saison in der Deutschen Eishockey Liga war stark: 49 Einsätze, Schnitt 2,57, Fangquote 93,2 Prozent. Die Roosters verlängerten schon im Dezember 2011 bis 2014, und 2012 wählte man ihn in Iserlohn zum Sportler des Jahres. 2012/13 hatte er es mit dem Klub deutlich schwerer: 47 Einsätze, Schnitt 3,01.

Prüfpunkt 4: Der Bruch in Iserlohn im Oktober 2013

Nach vier DEL-Partien der Saison 2013/14 war Schluss. Laut SPOX strichen die Iserlohn Roosters ihren Torhüter aus dem Kader, nachdem er sich kurz vor der Partie in Wolfsburg krankgemeldet hatte. Eine Woche später, am Mittwoch, dem 16. Oktober 2013, lösten Klub und Spieler den Vertrag auf. Über die Gründe vereinbarten sie Stillschweigen.

Am 17. Oktober stand der Kanadier bereits beim Training der Freezers. Freezers-Sportdirektor Stéphane Richer beschrieb den Goalie in der Vereinsmeldung als reaktionsschnellen Schlussmann, der Ruhe ausstrahle. Er habe jahrelang in der NHL gehalten und auch in der DEL konstant stark gespielt. Die Freezers konnten einen zweiten erfahrenen Mann gut gebrauchen, denn Dimitrij Kotschnew kam gerade erst von einem Kreuzbandriss zurück. Für Iserlohn hatte der Kanadier zuvor 102 DEL-Partien bestritten, die Vereinsmeldung vom Oktober nennt 103.

Prüfpunkt 5: Sébastien Caron und Dimitrij Kotschnew

Ab Oktober teilten sich Caron und Dimitrij Kotschnew das Tor der Freezers. Die DEL-Statistik der Saison 2013/14 zeigt, wie eng das war:

2013/14 Spiele Gegentorschnitt Fangquote Shutouts
Caron, Hauptrunde 24 1,67 94,38 % 3
Kotschnew, Hauptrunde 17 2,10 92,8 % 4
Caron, Play-offs 7 2,45 92,24 % 1
Kotschnew, Play-offs 5 1,41 94,7 % 2

Die Werte stehen im DEL-Statistikarchiv zum Freezers-Kader 2013/14. Wer anderswo 28 Einsätze und einen Schnitt von 1,93 liest: Diese DEL-Zahl rechnet die vier Iserlohner Partien mit ein.

Am 25. Februar 2014 verlängerten die Freezers mit beiden. Der Neuzugang unterschrieb bis 2016, Dimitrij Kotschnew bis 2017. Der Sportdirektor sprach damals vom stärksten Duo der Liga. Nach 22 Einsätzen für Hamburg hatte Caron zu diesem Zeitpunkt die beste Fangquote aller DEL-Goalies, laut Meldung 94,2 Prozent. In den Play-offs traf Hamburg im Viertelfinale ausgerechnet auf Iserlohn und gewann die Serie 4:2. Im Halbfinale war gegen Ingolstadt mit 2:4 Schluss. Welcher Torhüter wann im Tor stand, schlüsselt die Saisonstatistik nicht auf. Den ganzen Saisonverlauf findest du auf der Seite zur Saison 2013/14.

Meine Einschätzung: Ohne den Wechsel im Oktober wäre Platz 1 kaum möglich gewesen. 17 Siege aus 24 Einsätzen hat er laut Wikipedia-Statistik geholt, und das in den Monaten, in denen Dimitrij Kotschnew nach seiner Knieverletzung zurückkehrte.

Dunkelblaues Eishockeytrikot ohne Logo mit der Rückennummer 35 in einer Spielerkabine
Die Nummer 35 trug der Kanadier in allen drei Hamburger Spielzeiten, so steht es in Kaderliste und DEL-Statistik.

Prüfpunkt 6: 2014/15 und die letzte Saison

2014/15 war Caron die Nummer eins, Kotschnew kam auf 20 Einsätze. Für ihn standen 33 Hauptrundenspiele in der DEL-Statistik, Schnitt 2,49, drei Shutouts. Die Fangquote gibt die DEL mit 92,39 Prozent an, Wikipedia mit 92,0. Die Freezers wurden Vierter und verloren das Viertelfinale gegen die Düsseldorfer EG mit 3:4. Alle sieben Partien dieser Serie bestritt Caron (Schnitt 2,59).

Dann kam der 25. September 2015. Beim Aufwärmen vor dem Spiel in Schwenningen prallte er mit einem Mitspieler zusammen und zog sich einen schweren Bandscheibenvorfall zu. Er wurde operiert, der Club rechnete mit vier Monaten Pause. Für 2015/16 verzeichnet die DEL deshalb nur zwölf Einsätze, Schnitt 3,74. Sportdirektor Richer verwies nach der Verletzung auf Dimitrij Kotschnew als Nummer eins und auf Maximilian Franzreb. Die Freezers wurden Elfter und verpassten die Play-offs. Im Mai 2016 verzichtete Eigentümer AEG auf die Lizenz für die DEL.

Prüfpunkt 7: Was macht Sébastien Caron heute?

Im Frühjahr 2016 endete seine Profikarriere. Er kehrte in die Gegend von Wilkes-Barre in Pennsylvania zurück. Die Wilkes-Barre/Scranton Penguins, das AHL-Team der Pittsburgh Penguins, nahmen ihn mehrmals mit Tryout-Verträgen als Notfall-Torhüter auf, zuletzt im Dezember 2019. Zum Einsatz kam er nicht.

Später arbeitete Caron als Torwart-Berater beim Eishockeyteam des Elmira College im Bundesstaat New York, laut Wikipedia seit 2020. In der Trainerliste für 2026/27 taucht er dort nicht mehr auf.

Die Prüfliste zum Schluss

Belegt sind diese Punkte:

  • Rückennummer 35 in Hamburg: Kaderliste 2013/14 und DEL-Statistik 2014/15 und 2015/16
  • Bei den Freezers von Oktober 2013 bis Frühjahr 2016, Vertrag bis 2016
  • 69 Hauptrunden- und 14 Play-off-Einsätze für Hamburg
  • 95 NHL-Einsätze für Pittsburgh, Chicago, Anaheim und Tampa Bay

Offen bleiben dagegen drei Fragen:

  • Draft-Runde: dritte oder vierte, die Quellen sind uneins
  • Gründe für das Aus in Iserlohn: nie offiziell genannt
  • Aktuelle Tätigkeit nach Elmira: nicht belegt

Mehr Torhüter und Feldspieler aus 14 Jahren findest du im Spieler-Archiv der Freezers.

Infografik: Karriere-Zeitstrahl von Sébastien Caron von Rimouski 1998 bis zum Karriereende 2016 in Hamburg
Die Stationen von der Juniorenliga in Quebec über die NHL und die Schweiz bis zu den Hamburg Freezers.

Statistik in Hamburg

SaisonWettbewerbSp.SchnittQuoteShutouts
2013/14DEL Hauptrunde241,6794,38 %3
2013/14DEL Play-offs72,4592,24 %1
2014/15DEL Hauptrunde332,4992,39 %3
2014/15DEL Play-offs72,5990,43 %1
2015/16DEL Hauptrunde123,7487,83 %0

Karriere vor und nach Hamburg

Davor

  • Océanic de Rimouski (LHJMQ), 1998–2000
  • Wilkes-Barre/Scranton Penguins (AHL), 2000–2006
  • Pittsburgh Penguins (NHL), 2002–2006
  • Fjord du Saguenay / Mission de Sorel-Tracy (LNAH), 2004/05
  • Chicago Blackhawks (NHL) / Norfolk Admirals (AHL), 2006
  • Anaheim Ducks (NHL) / Portland Pirates (AHL), 2006/07
  • HC Fribourg-Gottéron (NLA), 2007–2010
  • HK Traktor Tscheljabinsk (KHL), 2010
  • HC Lugano (NLA), 2010/11
  • Iserlohn Roosters (DEL), 2011–2013
  • Tampa Bay Lightning (NHL), 2012

Heute: Nach dem Karriereende 2016 kehrte er in die Gegend von Wilkes-Barre (Pennsylvania) zurück und arbeitete später als Torwart-Berater des Eishockeyteams am Elmira College.

Häufige Fragen

Welche Rückennummer trug Sébastien Caron bei den Hamburg Freezers?

Die 35, und zwar in allen drei Spielzeiten von 2013/14 bis 2015/16. So steht es in der Kaderliste der Freezers und im Statistikarchiv der DEL.

Warum verließ Caron im Oktober 2013 die Iserlohn Roosters?

Offiziell wurden keine Gründe genannt, beide Seiten vereinbarten Stillschweigen. Laut SPOX hatten ihn die Roosters eine Woche vor der Vertragsauflösung am 16. Oktober 2013 aus dem Kader gestrichen, nachdem er sich vor einem Spiel in Wolfsburg krankgemeldet hatte.

Hat Sébastien Caron den Stanley Cup gewonnen?

Er gehörte 2007 als Ersatztorhüter zu den Anaheim Ducks und bekam einen Meisterring, in den Play-offs wurde er nicht eingesetzt. Weil er für Anaheim nur ein Hauptrundenspiel bestritt, steht sein Name nicht auf dem Pokal.

Wie viele DEL-Spiele bestritt Caron für Hamburg?

69 Hauptrunden- und 14 Play-off-Spiele zwischen Oktober 2013 und 2016. Dazu kamen vorher 102 DEL-Spiele für Iserlohn, insgesamt 185 in der Liga.

Quellen

  1. Sébastien Caron, Wikipedia (deutsch)
  2. Sébastien Caron, Wikipedia (englisch)
  3. Hamburg Freezers, Hauptrunde 2013/14 (PENNY DEL Statistikarchiv)
  4. Hamburg Freezers, Play-offs 2013/14 (PENNY DEL Statistikarchiv)
  5. Hamburg Freezers, Hauptrunde 2014/15 (PENNY DEL Statistikarchiv)
  6. Hamburg Freezers, Play-offs 2014/15 (PENNY DEL Statistikarchiv)
  7. Hamburg Freezers, Hauptrunde 2015/16 (PENNY DEL Statistikarchiv)
  8. Freezers-Kader 2013/14 mit Rückennummern (Internet Archive)
  9. Hamburg Freezers gelingt Transfer-Coup: Goalie Sebastien Caron kommt (SPOX, 17.10.2013)
  10. Neuzugang im Freezers-Tor: Sébastien Caron wechselt an die Elbe (Eishockey-Magazin, 17.10.2013, Internet Archive)
  11. Sébastien Caron und Dimitrij Kotschnew verlängern bei den Freezers (hockeyweb, 25.02.2014)
  12. Torhüter Caron fehlt Hamburg lange (SPORT1, 27.09.2015)
  13. DEL 2013/14, Wikipedia
  14. DEL 2014/15, Wikipedia
  15. Sebastien Caron, NHL-Statistik (Hockey-Reference)
  16. Wilkes-Barre signs Sebastien Caron (DK Pittsburgh Sports, 28.12.2019)
  17. Sébastien Caron, Goalie Consultant (Elmira College Athletics)

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