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Hamburg Freezers Archiv2002–2016 · und Eishockey in Hamburg heute

Hamburg Freezers Geschichte: Chronik 2002 bis 2016

Die Hamburg Freezers Geschichte Jahr für Jahr: Umzug aus München 2002, Halbfinals 2004 und 2014, neun Trainer und das Aus im Mai 2016. Mit Saisontabelle.

Leere Eishockeyhalle von der oberen Tribüne aus gesehen, frisch präparierte Eisfläche im blauen Hallenlicht

Vierzehn Spielzeiten, neun Namen auf der Trainerliste, zwei Halbfinals, kein Titel: So knapp lässt sich die Hamburg Freezers Geschichte zusammenfassen. Hier findest du sie Jahr für Jahr, vom Umzug der München Barons im Juni 2002 bis zum Lizenzverzicht am 24. Mai 2016.

Ich stütze mich auf die Abschlusstabellen der DEL-Spielzeiten, die alte Vereinshistorie aus dem Internet Archive sowie Meldungen der DEL und Berichte von Sport1 und taz. Viele Meldungen der alten Klubseite von 2008 bis 2010 sind verloren, im Internet Archive liegen dafür nur Weiterleitungen. Was sich belegen lässt, steht unten.

Die Hamburg Freezers Geschichte in einer Tabelle

Hauptrunde, Play-offs und wer an der Bande stand, alle 14 Spielzeiten in der Deutschen Eishockey Liga:

Saison Hauptrunde Play-offs Trainer
2002/03 8. Viertelfinale Sean Simpson
2003/04 3. Halbfinale Dave King
2004/05 8. Viertelfinale Dave King, ab März 2005 Mike Schmidt
2005/06 6. Viertelfinale Mike Schmidt
2006/07 7. Viertelfinale (über Pre-Play-offs) Mike Schmidt, ab Nov. 2006 Bill Stewart
2007/08 7. Viertelfinale (über Pre-Play-offs) Bill Stewart
2008/09 8. Viertelfinale (über Pre-Play-offs) Bill Stewart, Bob Leslie, ab Dez. 2008 Paul Gardner
2009/10 14. nicht erreicht Paul Gardner
2010/11 11. nicht erreicht Stéphane Richer, ab Dez. 2010 Benoît Laporte
2011/12 5. Viertelfinale Benoît Laporte
2012/13 5. Viertelfinale Benoît Laporte
2013/14 1. Halbfinale Benoît Laporte
2014/15 4. Viertelfinale Benoît Laporte, ab Sept. 2014 Serge Aubin
2015/16 11. nicht erreicht Serge Aubin

Zur Einordnung: Die Tabelle im Wikipedia-Vereinsartikel nennt für 2011/12 Platz 4. Die Abschlusstabelle der Saison weist Platz 5 aus, dem folgen wir. Für 2009/10 zeigt die Abschlusstabelle Platz 14 von 15 Teams.

2002: Aus München an die Elbe

Im Juni 2002 verlegte die Anschutz Entertainment Group (AEG) ihr DEL-Team München Barons nach Hamburg. In München waren die Barons 2000 deutscher Meister geworden, die Zuschauerzahlen stagnierten trotzdem, dazu kamen finanzielle Probleme. Laut der alten Vereinshistorie stimmte die DEL dem Umzug am 24. Juni zu. Die Spielbetriebs-GmbH gehörte zu 70 Prozent der AEG und zu 30 Prozent dem Finnen Harry Harkimo, der auch die neue Arena baute.

  • 25. August 2002: erstes Testspiel, Gegner war Iserlohn.
  • Die Color Line Arena eröffnete erst am 8. November 2002. Die Saison begann deshalb mit zwölf Auswärtsspielen am Stück.
  • Trainer blieb Sean Simpson, der schon in München an der Bande gestanden hatte.

2003: Mehr Zuschauer als geplant

Kalkuliert hatte der Klub mit 5.000 Besuchern pro Spiel. Es kamen im Schnitt 10.713 zu den 26 Heimspielen der Saison 2002/03, europaweit Platz drei hinter dem SC Bern und den Kölner Haien. Sportlich reichte es zum achten Rang und einem Viertelfinale, das die Freezers mit 1:4 Siegen gegen die Eisbären verloren.

Im Sommer 2003 kehrte Simpson in die Schweiz zum EV Zug zurück. Sein Nachfolger wurde der Kanadier Dave King, ein Trainer mit NHL-Erfahrung.

2004: Das erste Halbfinale

Mit King und mehreren Profis aus AHL und NHL wurden die Freezers Dritter der Hauptrunde. Im Viertelfinale schlug das Team den Favoriten Adler Mannheim mit 4:2 Siegen. Im Halbfinale war gegen die Frankfurt Lions Schluss, die danach deutscher Meister wurden.

12.055 Zuschauer kamen im Schnitt, mehr als in jeder anderen Hamburger Saison. Dazu kam am 2. Februar 2004 der Marketingpreis des Sports in der Kategorie Sportveranstaltung.

2005: Lockout ohne NHL-Profis

Die NHL streikte 2004/05, viele Stars wechselten nach Europa. Die Freezers verzichteten auf NHL-Profis, die Eisbären holten unter anderem Olaf Kölzig. Vier Spieltage vor Ende der Hauptrunde, am 2. März 2005, wurde King entlassen, weil der Club um die Play-offs fürchtete. Co-Trainer Mike Schmidt übernahm. Rang 8, Viertelfinale, 2:4 gegen Frankfurt.

Im Sommer 2005 übernahm die AEG die 30 Prozent von Harkimo, im selben Jahr entstand der Verein Hamburg Freezers e. V. Er kümmerte sich um Jugendarbeit und Fangruppen in der Sportstadt Hamburg und hatte im Januar 2016 120 Mitglieder. Das Pokal-Aus kam am 25. Oktober 2005 ausgerechnet in der alten Heimat: 1:4 beim Zweitligisten EHC München.

2006: French Connection und sieben Torhüter

Benoît Gratton, François Fortier und Marc Beaucage sammelten 2005/06 als „French Connection“ 132 Scorerpunkte. Im Tor fiel dagegen einer nach dem anderen aus. Weil sich im November binnen einer Woche Boris Rousson, Steffen Karg und Tobias Güttner verletzten, brauchten die Freezers in dieser Spielzeit sieben Torhüter. Zwei davon lieh Berlin aus, das ebenfalls der AEG gehörte.

Rang 6 und erneut Viertelfinal-Aus, 2:4 gegen die DEG Metro Stars. Schmidt musste am 25. November 2006 gehen, die Mannschaft stand nach 24 Spieltagen auf Platz 11. Bill Stewart übernahm.

2007: Über die Pre-Play-offs ins Viertelfinale

Die Spielzeit 2006/07 endete auf Rang 7. In den Pre-Play-offs setzten sich die Freezers mit 2:0 gegen Krefeld durch, im Viertelfinale war gegen die DEG nach fünf Spielen Schluss (1:4). François Fortier traf 28-mal, nur Herberts Vasiļjevs aus Krefeld schoss mehr Tore.

Im Herbst 2007 kaufte die Anschutz Entertainment Group auch die Color Line Arena. Der Zuschauerschnitt lag in dieser Saison noch bei 10.293.

Eishockeyschläger, Puck und abgenutzte Handschuhe auf einer Holzbank am Rand einer Eisfläche
Ausrüstung am Bandenrand: Über 14 Spielzeiten wechselten in Hamburg Trainer, Kader und Hallenname mehrfach.

2008: Neue Struktur, neue Trainingshalle

Im Januar 2008 zog sich Geschäftsführer Boris Capla aus dem Sport zurück, Co-Trainer Bob Leslie wurde Sportmanager. Mit acht Siegen in Folge rettete sich das Team noch auf Rang 7, gewann die Pre-Play-offs gegen Ingolstadt und verlor das Viertelfinale gegen Berlin. Nur noch 8.834 Zuschauer kamen im Schnitt, 1.459 weniger als im Vorjahr.

  • November 2008: Die Volksbank Arena neben der Color Line Arena öffnet, Trainingshalle mit 300 Plätzen, Kosten rund 15 Millionen Euro. Auch die Handballer des HSV Hamburg trainieren dort.
  • 13. Dezember 2008: Nach einem 0:4 gegen Straubing wird Stewart entlassen. Leslie leitet fünf Tage das Training.
  • 18. Dezember 2008: Paul Gardner wird Cheftrainer.

2009: Capla muss gehen

Die Spielzeit 2008/09 endete auf Rang 8. In den Pre-Play-offs gewannen die Freezers gegen die Frankfurt Lions, im Viertelfinale gab es ein 0:4 gegen Berlin. Gardners Vertrag wurde verlängert.

Der Start in die Saison 2009/10 misslang. Nach sechs Niederlagen in Serie beurlaubte der Klub am 29. September 2009 Boris Capla, der da bereits wieder den Sport verantwortete. Ab 1. Dezember 2009 führte Michael Pfad die Geschäfte.

2010: Tiefpunkt und neuer Hallenname

Platz 14 von 15, erstmals keine Play-offs und nur 6.993 Zuschauer pro Spiel: 2009/10 war das schwächste Jahr. Gardner und Co-Trainer Daniel Naud mussten gehen. AEG und Telefónica gaben am 13. April 2010 bekannt, dass die Halle künftig O2 World Hamburg heißt.

Neuer Trainer und Sportdirektor wurde Stéphane Richer. Im Dezember 2010 gab er die Bank an Benoît Laporte ab und blieb Sportdirektor. Im selben Monat kam Christoph Schubert, der bei den Atlanta Thrashers unter Vertrag stand und zuletzt an Frölunda ausgeliehen war. Wie die Saison weiterging, steht in der Chronik der Saison 2010/11.

2011: Umbruch nach Platz 11

Die Freezers verloren am letzten Spieltag 2010/11 mit 1:4 beim späteren Meister in Berlin und verpassten die Pre-Play-offs. Danach wurde umgebaut. Zuerst traf es am 15. März 2011 Kapitän Alexander Barta, wenige Tage später elf weitere Spieler.

  • 28. März 2011: Center Serge Aubin kommt aus Fribourg, 396 NHL-Spiele.
  • 16. Juni 2011: Torhüter John Curry unterschreibt.
  • 4. Oktober 2011: Testspiel gegen die LA Kings, 4:5 vor heimischem Publikum.

2012: Fünfter und ein NHL-Star auf Zeit

Die Hauptrunde 2011/12 endete auf Rang 5, zwischenzeitlich hatte das Team die Liga sogar angeführt. Das Viertelfinale ging 1:4 gegen Mannheim verloren. Der Zuschauerschnitt stieg auf 9.221. Für Curry kam Nationaltorwart Dimitrij Kotschnew aus der KHL.

Den NHL-Lockout nutzte Hamburg am 2. Oktober 2012 und holte Jamie Benn von den Dallas Stars. In der Geschäftsführung löste Uwe Frommhold Michael Pfad ab. Im Nachwuchs kooperierte der Klub inzwischen mit dem HSV, die Schüler-Bundesligamannschaft lief ab 2012/13 als HSV Young Freezers.

2013: Aubin hört als Spieler auf

Serge Aubin beendete am 15. Januar 2013 nach drei Daumenoperationen seine Karriere. Die Hauptrunde 2012/13 schlossen die Freezers erneut als Fünfter ab, im Viertelfinale war gegen den Schwesterklub aus Berlin nach sechs Spielen Schluss (2:4). Im Juni 2013 kam Center Philippe Dupuis aus der AHL.

2014: Die beste Saison und ein Trainerwechsel

Nach einem Fehlstart standen die Freezers zwischenzeitlich am Tabellenende. Dann folgten 19 Heimsiege in Serie, ein eingestellter Ligarekord, und zum Schluss der erste Rang der Hauptrunde. Im Viertelfinale gab es ein 4:2 gegen Iserlohn, im Halbfinale ein 2:4 gegen den ERC Ingolstadt, der danach deutscher Meister wurde. Mehr dazu in der Saisonchronik 2013/14.

Richer wurde DEL-Manager des Jahres, David Wolf ging zu den Calgary Flames. Der nächste Start misslang wieder: null Punkte nach vier Spieltagen, kein Sieg in der Champions Hockey League. Laporte wurde am 25. September 2014 entlassen, sein Co-Trainer Aubin übernahm.

2015: Kevin Clark trifft 32-mal

Unter Aubin konnte sich das Team fangen und wurde trotz mehrerer Langzeitverletzter Vierter. Kevin Clark schoss 32 Tore, Vereinsrekord, und wurde Spieler des Jahres der DEL. Das Viertelfinale gegen die DEG ging über sieben Spiele, das letzte verloren die Freezers mit 1:2.

Im Januar 2015 hatte Aubin bis 2017 verlängert. Seit dem 1. Juli 2015 hieß die Halle Barclaycard Arena.

2016: Das letzte Jahr

Die Spielzeit 2015/16 endete mit 72 Punkten auf Rang 11, die Pre-Play-offs waren verpasst. Geplant wurde trotzdem weiter: Ende April kamen Torhüter Drew MacIntyre, Verteidiger Matt Pelech und Co-Trainer Mario Simioni.

Die AEG kündigte am 18. Mai 2016 an, keine Lizenz mehr für die DEL zu beantragen, falls sich bis zum 24. Mai kein Käufer findet. Tom Miserendino von AEG Europe begründete das mit dem Besitz zweier Teams in einer Liga. Freezers-Kapitän Christoph Schubert, Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste und viele Fans suchten Geld und Unterstützung aus der Hamburger Wirtschaft. Zusammen kamen 1,2 Millionen Euro, über 560.000 Euro davon per Crowdfunding.

Es reichte nicht. Wie die DEL in ihrer Meldung zum Lizenzverzicht festhielt, stellte die AEG bis zum 24. Mai 2016 keinen Antrag auf eine Lizenz. Sie hatte in den vergangenen 14 Jahren alle Verluste allein getragen. Die Woche im Detail erzählt der Beitrag über das Aus der Hamburg Freezers 2016.

Infografik: Zeitstrahl der Hamburg Freezers von 2002 bis 2016 mit Platzierungen der Hauptrunde und wichtigen Ereignissen
Die Chronik auf einen Blick: Hauptrundenplätze und Wendepunkte von 2002 bis 2016.

Was nach 14 Jahren bleibt

  • Play-offs: in 11 von 14 Spielzeiten erreicht, Halbfinale 2004 und 2014, kein Meistertitel.
  • Zuschauer: höchster Schnitt 12.055 (2003/04), niedrigster 6.993 (2009/10).
  • Längste Amtszeit an der Bande: Benoît Laporte, Dezember 2010 bis September 2014.

Ich lese die Chronik so: Nach dem Tiefpunkt 2010 hat der Klub sportlich vieles richtig gemacht, von 2012 bis 2015 stand er viermal unter den ersten fünf. Am Sport lag das Ende deshalb kaum. Die Anschutz Entertainment Group wollte neben den Eisbären keinen zweiten Klub in der Liga mehr finanzieren, und ein Käufer fand sich seit 2011 nicht.

Häufige Fragen

Woher kamen die Hamburg Freezers?

Aus München. Die Anschutz Entertainment Group verlegte im Juni 2002 ihr DEL-Team München Barons nach Hamburg, wo es ab der Saison 2002/03 als Hamburg Freezers spielte.

Wo trugen die Freezers ihre Heimspiele aus?

In der Arena im Volkspark, die am 8. November 2002 als Color Line Arena eröffnete, 2010 in O2 World Hamburg und zum 1. Juli 2015 in Barclaycard Arena umbenannt wurde. Trainiert wurde ab November 2008 in der Volksbank Arena nebenan.

Wurden die Hamburg Freezers jemals deutscher Meister?

Nein. Die besten Ergebnisse waren die Halbfinals 2004 und 2014, 2013/14 gewann das Team zudem die Hauptrunde.

Wie viele Zuschauer kamen im Schnitt?

Am meisten in der Saison 2003/04 mit 12.055 pro Heimspiel, am wenigsten 2009/10 mit 6.993. In der letzten Saison 2015/16 waren es 9.022.

Quellen

  1. Wikipedia: Hamburg Freezers
  2. Wikipedia: DEL 2009/10 (Abschlusstabelle)
  3. Wikipedia: DEL 2006/07 (Abschlusstabelle, Play-offs)
  4. Wikipedia: DEL 2011/12 (Abschlusstabelle)
  5. Wikipedia: Barclays Arena (Namensgeschichte)
  6. Wikipedia: Benoît Laporte
  7. DEL: Hamburg Freezers beantragen keine DEL-Lizenz (24.05.2016)
  8. Sport1: Hamburg Freezers ziehen sich aus der DEL zurück
  9. Alte Vereinshistorie hamburg-freezers.de (Internet Archive, Snapshot 2007)

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