Stéphane Richer: der Sportdirektor der Hamburg Freezers
Stéphane Richer holte Aubin, Curry und Jamie Benn nach Hamburg, wurde 2014 DEL-Manager des Jahres und ging 2017 nach Berlin. Seine Stationen im Überblick.

Am 2. Oktober 2012 meldeten die Hamburg Freezers einen NHL-All-Star. Jamie Benn, 23 Jahre alt und Stürmer der Dallas Stars, kam wegen des Lockouts sofort an die Elbe und sollte schon gegen Mannheim auflaufen. Hinter solchen Transfers stand sechs Jahre lang derselbe Mann: Stéphane Richer, Sportdirektor der Freezers von 2010 bis zum Aus im Mai 2016.
Vorweg eine Klarstellung, weil die Suche sonst in die Irre führt. Es gibt zwei Kanadier namens Stéphane Richer, beide 1966 geboren, beide in der NHL. Hier geht es um den Verteidiger aus Hull, geboren am 28. April 1966, der in Deutschland spielte und später Manager wurde. Den Stürmer mit zwei Stanley-Cup-Siegen erklärt die Tabelle weiter unten. Häufig steht der Name auch ohne Akzent da, als Stephane Richer.
Erst Kassel, dann Hamburg: der Start 2010
Am 6. Januar 2010 stellten die Freezers ihren neuen Sportdirektor vor. Richer war zu diesem Zeitpunkt noch Trainer der Kassel Huskies und unterschrieb einen Zweijahresvertrag, gültig ab dem 1. Mai 2010. Hamburg steckte tief in der Krise. Seit dem Umzug aus München 2002 hatte die Mannschaft sieben Spielzeiten in Folge die Play-offs erreicht, 2009/10 landete sie auf Platz 14. So schlecht stand der Club nie wieder da.
Dann kam die Doppelrolle. Im März 2010 übernahm Richer zusätzlich das Traineramt, in den Pressemitteilungen vom Mai 2010 heißt er „Trainer und Sportdirektor“. Das hielt bis Dezember 2010. Er übergab die Bande an Benoît Laporte und kümmerte sich fortan abseits vom Eis um den Kader. Im selben Monat unterschrieb Christoph Schubert, Verteidiger aus München mit 315 NHL-Spielen, einen Vertrag bis 2012. Es war derselbe Christoph Schubert, der 2016 die Rettungsaktion der Spieler für den Club mit anführte. Die Saison 2010/11 endete trotzdem auf Platz 11, ohne Play-offs.
Im März 2011 folgte der große Schnitt. Elf Spieler mussten gehen, auch Kapitän Alexander Barta, weil eine Vertragsklausel bei verpassten Play-offs griff. Für das Team bedeutete das einen fast kompletten Neuaufbau.
Welcher Stéphane Richer? Verteidiger und Stürmer im Vergleich
Wer den Namen sucht, landet oft beim falschen Mann. Der Stürmer ist in Nordamerika deutlich bekannter, der Verteidiger hat seine Spuren in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hinterlassen.
| Merkmal | Stéphane Richer (Verteidiger) | Stéphane Richer (Stürmer) |
|---|---|---|
| Geboren | 28. April 1966 in Hull (Québec) | 7. Juni 1966 in Ripon (Québec) |
| NHL | 27 Spiele, 1 Tor, 5 Vorlagen | 1.054 Spiele, 421 Tore |
| Clubs in der NHL | Tampa Bay, Boston, Florida | u. a. Montréal, New Jersey |
| Titel | 4× Deutscher Meister mit Mannheim | Stanley Cup 1986 und 1995 |
| Später | Sportdirektor in Hamburg und Berlin | kein Bezug zur DEL |
Vom Verteidiger in Mannheim zum Trainer in Kassel
Als junger Verteidiger spielte er für die Hull Olympiques in der QMJHL, im NHL-Draft wählte ihn kein Team. Danach folgten acht Jahre in der American Hockey League und der International Hockey League, etwa bei den New Haven Nighthawks. Dazwischen lagen kurze Einsätze für Tampa Bay Lightning, die Boston Bruins und die Florida Panthers. 1995 wechselte der Linksschütze nach Deutschland, in die damals junge Deutsche Eishockey Liga.
In Mannheim wurde er zum Titelsammler. Für die Adler Mannheim spielte er sieben Spielzeiten, viermal wurde er mit ihnen Deutscher Meister:
- 1997
- 1998
- 1999
- 2001
Drei Meisterschaften in Folge hatte in der DEL bis dahin kein anderer Club geholt.
Seine letzte Saison spielte er 2002/03 für die Frankfurt Lions, 2003 beendete er die Karriere. Als Co-Trainer in Frankfurt gewann er gleich im ersten Jahr die nächste Meisterschaft: Die Frankfurter Mannschaft schlug 2004 im Finale die favorisierten Eisbären Berlin.
Als Cheftrainer lief es zunächst holprig. 2004/05 übernahm er in Mannheim von Helmut de Raaf das Cheftraineramt, 2005 musste er gehen. Wenige Wochen später fing er in Kassel an. Die Aufgabe war schwer, am Ende stand der Erfolg: 2008 führte er die Huskies zurück in die DEL.
Die Transfers des Sportdirektors Stéphane Richer
In Hamburg verbindet man Richer vor allem mit Verpflichtungen. Diese fünf sind am besten dokumentiert:
- Serge Aubin kam am 28. März 2011 aus Fribourg, mit 396 NHL-Spielen und als Kapitän Kanadas beim Spengler Cup. Mehr dazu im Profil von Serge Aubin.
- John Curry unterschrieb am 16. Juni 2011, ein Torhüter aus der AHL mit Rückennummer 36.
- Duvie Westcott folgte am 19. Juni 2012 aus Kloten, 201 NHL-Spiele für Columbus im Gepäck.
- Jamie Benn spielte im Lockout-Herbst 2012 19 DEL-Partien mit 20 Punkten, nachzulesen bei Jamie Benn in Hamburg.
- Philippe Dupuis kam am 27. Juni 2013 aus Wilkes-Barre, nach 116 NHL-Spielen.
Nicht jeder dieser großen Namen konnte lange bleiben. Curry ging nach einer Spielzeit, Benn kehrte nach dem Lockout nach Dallas zurück.
Das Muster ist leicht zu lesen: Der Sportdirektor holte erfahrene Nordamerikaner mit NHL-Vergangenheit, die in der Kabine Verantwortung tragen sollten. Das Ziel nach dem Umbruch war eine Mannschaft, die schnell wieder in den Play-offs mitspielt. Das klappte: In der Saison 2011/12 sprang Hamburg von Platz 11 auf Platz 5, 2012/13 wiederholte das Team diesen Platz.

2014: Hauptrundensieger und Manager des Jahres
Die Saison 2013/14 war die beste der Clubgeschichte, besser konnte eine Hauptrunde für die Mannschaft nicht laufen. Die Freezers gewannen die Hauptrunde und schieden erst im Halbfinale aus, alles im Rückblick auf die Saison 2013/14. Die DEL wählte Richer danach zum Manager des Jahres. Als Hauptrundensieger spielte die Mannschaft 2014/15 außerdem in der Champions Hockey League, dem europäischen Wettbewerb der großen Ligen.
Im September 2014 trennte sich der Club von Laporte, Co-Trainer Aubin rückte an die Bande. Richer arbeitete in dieser Phase selbst als Co-Trainer, neben dem Job als Sportdirektor.
Dann kam ein Signal für die Zukunft. Die Freezers verlängerten vorzeitig mit ihrem Sportdirektor, bis 2019. Ein genaues Datum der Meldung ist nicht erhalten, Richer war darin 49 Jahre alt. Die Verlängerung fällt also in die Zeit zwischen Ende April 2015 und April 2016.
Was nach dem Aus 2016 aus Stéphane Richer wurde
Der Vertrag bis 2019 war am 24. Mai 2016 wertlos. Eigentümer AEG verzichtete auf die DEL-Lizenz, Spieler und Staff standen ohne Club da. Die Hintergründe stehen auf unserer Seite zum Aus der Freezers 2016.
Richer blieb dem Eishockey treu, zunächst in kleineren Rollen:
- Scout für die Los Angeles Kings
- Leiter des Nachwuchses bei den Crocodiles Hamburg, damals Oberliga, mit jungen Spielern aus der Stadt
- ab dem 26. Januar 2017 Assistent von Uwe Krupp bei den Eisbären Berlin, mitten in der laufenden Saison
- ab Mai 2017 Sportdirektor der Eisbären
In Berlin folgte die erfolgreichste Phase seiner Laufbahn. Er holte 2019 Serge Aubin als Cheftrainer, mit ihm gewannen die Eisbären die Meisterschaften 2021, 2022, 2024, 2025 und 2026. Nach dem Titel 2025 verlängerten die Eisbären den Vertrag ihres Sportdirektors bis 2028.
Seine Arbeit bei den Eisbären folgt einer klaren Linie. Im Juni 2024 sagte der Sportchef dem Berliner Kurier: „Wir forcieren einen Kern an deutschen Nationalspielern im Team.“ Das ist wichtig in einer Liga, die die Zahl der Ausländer im Kader begrenzt. Zum Saisonstart 2025 nannte er als Ziel, nach vier Titeln in fünf Jahren wieder ganz oben zu stehen. Die Eisbären sind in den vergangenen Jahren zum Rekordmeister der DEL geworden, ihr Sportdirektor hat daran großen Anteil.
Aubin wechselte nach dem Titel 2026 nach Bern. Sein langjähriger Chef blieb bei den Eisbären und holte den Nachfolger an der Bande selbst: Éric Dubois, wie die DEL im Juni 2026 meldete.

Was von Richers Hamburger Jahren bleibt
- Sechs Spielzeiten als Sportdirektor, 2010 bis 2016, 2010 zeitweise auch als Cheftrainer
- Platz 14 vor seinem Start, Platz 1 in der Hauptrunde 2013/14
- DEL-Manager des Jahres 2014, Vertrag bis 2019, durch das Aus hinfällig
- Heute Sportdirektor der Eisbären Berlin, als Meister 2021, 2022, 2024, 2025 und 2026
Meine Meinung: Richer hat in Hamburg gezeigt, was er in Berlin später bestätigt hat. Er baut Kader mit erfahrenen Nordamerikanern und hält an Trainern fest, die er kennt. Aubin war 2011 sein Spieler, 2014 sein Cheftrainer und 2019 sein Trainer in Berlin. Für das deutsche Eishockey ist das ein seltener Fall von Kontinuität. Wenn du verstehen willst, warum die Freezers ab 2011 wieder oben mitspielten, fang bei diesen Personalien an.
Häufige Fragen
Wie alt ist Stéphane Richer?
Der frühere Verteidiger wurde am 28. April 1966 in Hull (Québec) geboren und ist damit 60 Jahre alt (Stand Oktober 2026).
War Stéphane Richer Trainer der Hamburg Freezers?
Ja, kurz. Im März 2010 übernahm er zusätzlich zum Posten des Sportdirektors das Traineramt und gab es im Dezember 2010 an Benoît Laporte ab. Später arbeitete er unter Laporte und Aubin auch als Co-Trainer.
Ist der Sportdirektor derselbe Stéphane Richer, der mit Montréal den Stanley Cup gewann?
Nein. Der Stürmer wurde am 7. Juni 1966 in Ripon geboren und spielte 1.054 NHL-Partien. Der Sportdirektor ist der Verteidiger aus Hull mit 27 NHL-Spielen.
Wo arbeitet Stéphane Richer heute?
Seit Mai 2017 ist er Sportdirektor der Eisbären Berlin, sein Vertrag läuft laut Medienberichten bis 2028.
Quellen
- Wikipedia (en): Stéphane Richer (ice hockey defenceman)
- Wikipedia (en): Stéphane Richer (Stürmer)
- Presseportal: Hamburg Freezers, neuer Sportdirektor (06.01.2010)
- Presseportal: Hamburg Freezers, Köttstorfer-Verpflichtung (17.05.2010)
- Archiv hamburg-freezers.de (Wayback): Freezers verlängern mit Sportdirektor Richer bis 2019
- PENNY DEL: Éric Dubois wird neuer Coach der Eisbären (03.06.2026)
- Berliner Kurier: Verträge verlängert (11.06.2024)
- Flashscore: Eisbären Berlin verlängern mit Leistungsträgern
- Berliner Zeitung: Sportdirektor Stéphane Richer, der Titel als Berliner Duftmarke
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