Unabhängiges Fan- und Archivprojekt · nicht der Club, nicht verbunden mit AEG

Hamburg Freezers Archiv2002–2016 · und Eishockey in Hamburg heute

Hamburg Freezers Fans: Fanclubs, Zuschauer und Stanley

Hamburg Freezers Fans 2002 bis 2016: Zuschauerschnitt jeder DEL-Saison, Fanclubs, Maskottchen Stanley, der Freezers e.V. und die Rettungsaktion im Mai 2016.

Leere Fankurve einer Eishalle mit blau-weißen Schals ohne Logo und einer großen Trommel auf der Brüstung

12.055 Zuschauer sahen 2003/04 im Schnitt jedes Heimspiel. Mehr waren es in den 14 DEL-Spielzeiten nie. Die Hamburg Freezers Fans haben den Klub von 2002 bis 2016 begleitet, in guten Jahren vor fast vollen Rängen und in schwachen vor sichtbar leeren Blöcken. Hier steht, was sich über sie belegen lässt: die Zuschauerzahlen jeder Saison, die Fanclubs, die Maskottchen bis zu Stanley, der Freezers e.V. und die Rettungsaktion im Mai 2016.

Zuschauer: vom dritten Platz in Europa zum Tief 2009/10

Die erste Spielzeit 2002/03 begann mit zwölf Auswärtsspielen am Stück, weil die Color Line Arena noch nicht fertig war. Danach lag der Schnitt bei 10.713 Besuchern. Das bedeutete laut Wikipedia Platz drei in Europa, nur der SC Bern und die Kölner Haie hatten mehr Publikum.

Ein Jahr später folgte der sportliche Durchbruch mit Hauptrundenplatz drei und dem Halbfinale. Der Schnitt stieg auf 12.055 je Spiel. Viel Luft war da nicht mehr: Die Arena fasste nach späteren Angaben 12.947 Plätze, rechnerisch waren also gut 93 Prozent belegt.

Saison Hauptrunde Ø Zuschauer
2002/03 8. 10.713
2003/04 3. 12.055
2004/05 8. 11.883
2005/06 6. 10.825
2006/07 7. 10.293
2007/08 7. 8.834
2008/09 8. 7.949
2009/10 14. 6.993
2010/11 11. 7.037
2011/12 5. 9.221
2012/13 5. 7.690
2013/14 1. 8.506
2014/15 4. 8.906
2015/16 11. 9.022

Die Zahlen stammen aus der Zuschauerstatistik, die Wikipedia nach hockeyarenas.net führt, die Platzierungen aus den DEL-Abschlusstabellen. Die Datenbank hockeydb nennt fast dieselben Werte, bei zwei Spielzeiten weicht sie ab: Für 2003/04 stehen dort 11.351 Zuschauer, für 2005/06 sind es 10.748.

Ab 2007/08 bröckelte der Zuspruch, laut Wikipedia auch wegen sportlich wenig attraktiver Auftritte. Der Klub hatte mit 9.500 Zuschauern pro Spiel kalkuliert, es kamen knapp 8.800. Ein Pokalspiel gegen Wolfsburg sahen nur etwa 2.500 Menschen. 2009/10, als Tabellenvierzehnter, war mit 6.993 der Tiefpunkt erreicht.

Der Aufschwung folgte 2011/12: Während das Team zwischenzeitlich die Tabelle anführte, stieg der Schnitt auf 9.221. Im besten Jahr 2013/14, als Hamburg die Hauptrunde gewann, lag der Schnitt dagegen nur bei 8.506. Ich lese das so: Das Hamburger Publikum reagierte auf Erfolg, aber mit Verzögerung. Wer zwischen 2008 und 2010 weggeblieben war, kam nach einer starken Saison nicht gleich zurück.

Die letzte Spielzeit 2015/16 zog mit 9.022 sogar mehr Leute an als das Jahr des Hauptrundensiegs, obwohl die Mannschaft nur Elfter wurde. Die englischsprachige Wikipedia nennt dafür unter Berufung auf ein IIHF-Ranking den vierthöchsten Schnitt der Deutschen Eishockey Liga und Platz zehn in Europa.

Infografik: Zuschauerschnitt der Hamburg Freezers in allen 14 DEL-Spielzeiten von 2002/03 bis 2015/16
Zuschauerschnitt pro Heimspiel in jeder DEL-Saison der Hamburg Freezers.

Fankultur und Fanclubs der Hamburg Freezers

Die Anhänger organisierten sich früh. Am 24. Februar 2004 stellte der Klub Nicole Schümann als neue Fanbeauftragte vor. Unterstützen sollte sie das Freezers-Fan-Projekt, das die Vertreter aller Fanclubs gemeinsam bildeten. Laut Pressemitteilung gehörten dazu:

  • Eispiraten
  • Fangemeinschaft U9
  • Freezers-Fanpage
  • Freezers-Freunde-Norderstedt
  • Hanseatic Ice House Family
  • Iceager
  • Supporters

Die Aufgaben waren handfest. Ab dem Heimspiel am 29. März 2004 gab es eine Fan-Ecke am Fanshop beim Eingang E1, besetzt mit mindestens zwei Leuten aus dem Fan-Projekt, dazu einen Kasten für Fragen, Wünsche und Kritik.

Blau-weiße Schals ohne Logo hängen über der Brüstung einer leeren Eishallen-Tribüne, davor eine Trommel
Schals und Trommel: So sah es in vielen Fanblöcken der DEL aus. Symbolbild ohne Vereinslogo.

Ein paar dokumentierte Zahlen zeigen, wie eng die Bindung war. Zu einer Autogrammstunde im Saturn an der Mönckebergstraße kamen im Oktober 2006 mehr als 1.000 Fans, die Schlange stand schon eine Stunde vor Beginn. Im August 2007 begleiteten etwa 300 Anhänger die Mannschaft zum Testspiel nach Hannover.

Der Bus zum Turnier in Kopenhagen mit etwa 50 Plätzen war ausgebucht. „Die Nachfrage war derart groß, wir hätten gut und gerne noch einen zweiten Bus füllen können“, sagte Fanbeauftragter Maik Behnk laut Pressemitteilung. Der Fanclub Eispiraten Hamburg e.V. organisierte die Fahrt zum Saisonstart in Köln.

Maskottchen: vom Freezer über Body und Check zu Stanley

Von 2002 bis 2016 gab es mehrere Maskottchen. Die Quellenlage ist dünn, deshalb hier nur, was tatsächlich berichtet wurde.

Zuerst gab es den Freezer, einen Superhelden, der vorher nur als Kopf mit der Maske aus dem Vereinslogo bekannt war. Hockeyweb berichtete über seine Vorstellung. Eine Pressemitteilung vom Februar 2007 nennt das Maskottchen „Mr. Freeze“. Ob damit dieselbe Figur gemeint ist, bleibt offen. Laut Wikipedia wurde der Freezer abgeschafft, weil er kein Glück mehr brachte.

2010/11 übernahmen zwei Yetis namens Body und Check. Bei ihrer Vorstellung liefen sie auf dem Eis ineinander, einer verlor dabei den Kopf. Danach waren sie meist auf der Tribüne unterwegs. Beim Testspiel gegen die Los Angeles Kings im Oktober 2011 stahl ihnen Bailey, der Löwe der Kings, die Show, anschließend wurden die Yetis eingemottet.

Zum Saisonstart 2012/13 brachte Bailey seinen „Cousin“ Stanley mit nach Hamburg. Stanley war ebenfalls ein Löwe, die Hamburger Morgenpost titelte damals „Ein Löwe für die Eisschränke“. Die Verwandtschaft war geschäftlich begründet, denn Kings und Freezers gehörten beide der Anschutz Entertainment Group (AEG), der auch die Eisbären Berlin gehörten. Ein Foto vom 14. September 2012 zeigt beide Löwen beim 4:2 gegen Wolfsburg.

Auch außerhalb der Halle war Stanley im Einsatz. Beim Wandsbeker Winterzauber trat er 2012, 2013 und 2014 mit den Freezers Ice Girls auf. 2012 schwang er dort als Erster den Schläger auf der neuen Eisbahn. Ein Bild von Stanley gibt es hier bewusst nicht, die Figur gehörte dem Klub und damit AEG.

Der Hamburg Freezers e.V.: Netzwerk, Fangruppen, Nachwuchs

Das Profiteam war nie ein eingetragener Verein. Betrieben wurde es von einer GmbH der Anschutz Entertainment Group. Daneben gab es seit 2005 den Hamburg Freezers e.V., gegründet zur Nachwuchsförderung. Er war Mitglied im Hamburger Eishockey- und Rollsportverband und im Hamburger Sportbund.

Auf der alten Vereinsseite (archiviert zwischen 2010 und 2013) beschrieb der e.V. seine Mission so:

  • ein Netzwerk rund um den Klub bilden (etwa 120 Mitglieder)
  • die Fangruppen einbinden, die dem Verein angeschlossen waren
  • Jugendarbeit leisten und die Sportstadt Hamburg stärken

Für den Nachwuchs stellte der Verein ab 2008 hauptamtliche Trainer ein. Von 2008 bis 2011 war das Morgan Svensson, im Sommer 2011 folgte Boris Rousson. Laut Welt steckte der Verein jährlich einen mittleren fünfstelligen Betrag in die Jugendarbeit. Vorstandsvorsitzender war Andreas Mattner, der zugleich als Präsident im fünfköpfigen Präsidium des Klubs saß.

Zur Saison 2012/13 übernahm ein eigener Verein, der HEC Nachwuchs 2011 e.V., die Schüler-Bundesligamannschaft des HSV als HSV Young Freezers. Dieses Team spielte von 2014 bis 2016 in der Deutschen Nachwuchsliga.

Ohne Profiteam und Geschäftsstelle fehlte dem Verein nach dem Aus die Grundlage. Am 23. Juni 2016 wurde bekannt, dass die Mitglieder die Auflösung des Hamburg Freezers e.V. beschlossen hatten.

Mai 2016: Hamburg Freezers Fans sammeln für ihren Klub

Am 18. Mai 2016 kündigte AEG an, ohne Käufer keine Lizenz für die Saison 2016/17 zu beantragen. Der Grund: Mit den Eisbären Berlin besaß der Konzern ein zweites Team in derselben Liga. Kapitän Christoph Schubert startete daraufhin mit Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste eine Rettungsaktion, um dem Klub eine Zukunft zu sichern.

Fürste arbeitete damals im Sportmarketing der Agentur thjnk und holte sich laut OMR Rat bei Raphael Brinkert von Jung von Matt/Sports. Gesammelt wurde per Crowdfunding auf der Plattform Fairplaid, wer 150 Euro oder mehr gab, bekam ein „Retter“-Trikot.

Die Summen unterscheiden sich je nach Stand und Quelle:

Quelle Stand Spender Betrag
OMR 23. Mai 2016 über 1.800 über 260.000 Euro
taz nach vier Tagen 3.319 532.952 Euro
Wikipedia Endstand nicht genannt über 560.000 Euro Crowdfunding, rund 1,2 Millionen Euro mit Wirtschaft

Am Abend des 24. Mai harrten laut taz rund 200 Fans vor der Geschäftsstelle aus. Kurz nach 23 Uhr, eine knappe Stunde vor Fristende um 24 Uhr, verkündete Geschäftsführer Uwe Frommhold das Ende. In der Mitteilung der DEL vom 24. Mai 2016 heißt es, trotz Crowdfunding und Hilfe aus der Wirtschaft wäre eine erhebliche Budgetlücke geblieben.

Die taz schrieb am Tag danach: „Wer möchte, erhält nun seine Spende zurück.“ Den genauen Ablauf dieser sechs Tage beschreibt die Seite über das Aus der Hamburg Freezers 2016.

Was die Fans heute verbindet

Profi-Eishockey gibt es in der Stadt seit 2016 nicht mehr. Ein Teil der alten Fanszene ist bei den Crocodiles Hamburg gelandet. Auf der Website der Eishockeyfans Farmsen e.V. erzählen zwei Mitglieder, dass sie ihre Liebe zum Eishockey bei den Freezers entdeckt haben. Einer hatte vom 12. bis zum 16. Lebensjahr eine Dauerkarte. Nach dem Aus wechselten beide zu den Crocodiles, deren Fankultur der Verein heute stärken will.

Bei der Gründung des Farmsener Vereins halfen private Spenden aus dem Kreis der Supporters, einer geschlossenen Fangruppierung. Der Name stand schon 2004 auf der Liste des Fan-Projekts. Ob es dieselbe Gruppe ist, lässt sich aus den Quellen nicht sicher sagen.

Wo du heute Eishockey in der Stadt siehst, steht im Überblick zum Eishockey in Hamburg. Die sportliche Geschichte vom Umzug aus München bis 2016 findest du in der Chronik der Hamburg Freezers, die erfolgreichste Spielzeit in der Seite zur Saison 2013/14.

Kurz zusammengefasst

  • Rekordschnitt: 12.055 Zuschauer 2003/04, Tiefpunkt 6.993 im Jahr 2009/10.
  • Sieben Fanclubs bildeten 2004 das Fan-Projekt, darunter die Eispiraten und die Supporters.
  • Maskottchen waren der Freezer, die Yetis Body und Check und ab 2012 der Löwe Stanley.
  • Der Freezers e.V. hatte etwa 120 Mitglieder und löste sich im Juni 2016 auf.
  • Im Mai 2016 spendeten Tausende Fans über eine halbe Million Euro, das Aus verhinderte das nicht.

Häufige Fragen

In welcher Saison kamen die meisten Zuschauer zu den Hamburg Freezers?

2003/04 mit 12.055 Zuschauern im Schnitt pro Heimspiel, im selben Jahr erreichte das Team Hauptrundenplatz drei und das Halbfinale. Die Datenbank hockeydb nennt für diese Saison abweichend 11.351.

Wie hieß das Maskottchen der Hamburg Freezers?

Zuletzt war es der Löwe Stanley, ab der Saison 2012/13 als „Cousin“ von Bailey, dem Löwen der LA Kings. Davor gab es den Freezer und 2010/11 die Yetis Body und Check.

Welche Fanclubs gehörten zum Freezers-Fan-Projekt?

Laut Pressemitteilung vom Februar 2004 die Eispiraten, die Fangemeinschaft U9, die Freezers-Fanpage, die Freezers-Freunde-Norderstedt, die Hanseatic Ice House Family, Iceager und die Supporters.

Wie viel Geld spendeten Fans im Mai 2016?

Über die Plattform Fairplaid kamen laut taz nach vier Tagen 532.952 Euro von 3.319 Spendern zusammen, Wikipedia nennt als Endstand über 560.000 Euro. Mit Zusagen aus der Wirtschaft waren es rund 1,2 Millionen Euro, für eine DEL-Lizenz reichte das nicht.

Quellen

  1. Wikipedia: Hamburg Freezers (Zuschauerstatistik, Maskottchen, Verein)
  2. Wikipedia (englisch): Hamburg Freezers
  3. hockeydb: Hamburg Freezers Statistics and History
  4. Presseportal, 24.02.2004: Schümann neue Fanbeauftragte, Freezers-Fan-Projekt
  5. Presseportal, 12.10.2006: Autogramme der Freezers heiß begehrt
  6. Presseportal, 08.02.2007: Ortsänderung der Autogrammstunde (Maskottchen „Mr. Freeze“)
  7. Presseportal, 15.08.2007: Freezers-Fans on Tour
  8. hockeyweb: Freezers haben ein Maskottchen
  9. Flickr: Bailey & Stanley @ Hamburg Freezers (14.09.2012)
  10. Wandsbeker Winterzauber: Presse (Stanley 2012–2014)
  11. OMR, 23.05.2016: So versuchen Hamburger Werber einen Eishockeyverein zu retten
  12. taz, 25.05.2016: Aus für Hamburg Freezers
  13. PENNY DEL, 24.05.2016: Hamburg Freezers beantragen keine DEL-Lizenz
  14. Süddeutsche Zeitung (dpa), 23.06.2016: Auflösung des Hamburg Freezers e. V. beschlossen
  15. Eishockeyfans Farmsen e.V.: Über uns / FAQ

Zuletzt geprüft am